Volkswagen steht vor einem weiteren tiefgreifenden Umbau. Vorstandschef Oliver Blume hat auf der Hauptversammlung den Sparkurs des Konzerns verteidigt und zugleich deutlich gemacht, dass das bisherige Geschäftsmodell des Autobauers nicht mehr ausreicht. Der VW-Chef sprach von einer “angespannten und anspruchsvollen” Lage, weil schwache Geschäfte in China, US-Zölle, Handelsbarrieren, geopolitische Risiken und der wachsende Wettbewerb chinesischer Hersteller den Konzern massiv belasten.
Bis 2030 sollen bei Volkswagen konzernweit 50.000 Stellen wegfallen, davon 35.000 bei der Kernmarke VW. 28.000 freiwillige Austritte sind bereits fest vereinbart. Zusätzlich will Oliver Blume Überkapazitäten abbauen, Werke effizienter machen und die Umsatzrendite bis 2030 auf acht bis zehn Prozent steigern.
Inhaltsverzeichnis
Oliver Blume sieht Volkswagen vor historischem Wandel
Auf der rein digitalen Hauptversammlung machte Oliver Blume deutlich, wie groß der Handlungsdruck bei Volkswagen inzwischen ist. Die Rahmenbedingungen in der Automobilindustrie hätten sich 2026 nochmals verschärft. Deshalb müsse VW reagieren. Besonders deutlich wurde der Konzernchef bei der Bewertung des bisherigen Erfolgsmodells. Das über Jahrzehnte erfolgreiche Geschäftsmodell funktioniere heute nicht mehr und müsse weiterentwickelt werden. Mit dem angekündigten “Zielbild Volkswagen Konzern 2030” will Blume den Autobauer strategisch neu ausrichten. Das Ziel ist ambitioniert: Volkswagen soll bis 2030 weltweit der attraktivste Automobilhersteller werden. Dazu soll die Umsatzrendite auf acht bis zehn Prozent steigen. Weitere wesentliche Entscheidungen will der Vorstand gemeinsam mit dem Aufsichtsrat im Sommer treffen.
Die Volkswagen AG im Überblick
Hans Dieter Pötsch (Aufsichtsratsvorsitzender) |
|
Gleichzeitig verwies Blume auf Fortschritte. Volkswagen sieht sich bei Elektroautos in Europa stark aufgestellt und verweist auf neue Modelle wie den elektrischen ID. Polo. Aus Sicht des Vorstandschefs ist die Marke mit ihren Produkten wieder wettbewerbsfähig. Das zentrale Problem bleibt jedoch die Profitabilität. Blume sagte, Volkswagen stehe mit seinen Produkten zwar wieder vorn im Wettbewerb, verdiene damit aber nicht genug Geld. Die laufenden Sparprogramme zeigen nach Angaben des Konzerns bereits Wirkung. So seien die Fabrikkosten an deutschen VW-Standorten 2025 um mehr als 20 Prozent gesunken. Diese Erfolge reichen aus Sicht der Konzernführung aber nicht aus, weil neue Belastungen durch Zölle, Handelsbarrieren, geopolitische Risiken und den harten Preiskampf in China zusätzlichen Druck erzeugen.
“Die Lage bleibt anspruchsvoll. Trotzdem haben wir es selbst in der Hand: mit unseren starken Marken und Produkten, unserer klaren Strategie und einem Team, das liefern kann. Vor uns liegen große Chancen. Die nächsten Jahre entscheiden – und wir haben es selbst in der Hand.”
Oliver Blume
VW: Stellenabbau, Über-kapazitäten und Aktionärs-Kritik
Der Stellenabbau bei Volkswagen kommt laut Oliver Blume planmäßig voran. Bis 2030 sollen konzernweit 50.000 Jobs wegfallen, davon 35.000 bei der Kernmarke VW. Allein dort soll sich die Belegschaft bis Ende 2026 um 19.000 Beschäftigte reduzieren. 28.000 freiwillige Austritte sind bereits vertraglich vereinbart. Zusätzlich laufen Sparprogramme bei Porsche und Audi, wo zusammen weitere 15.000 Stellen gestrichen werden sollen. Auch die Produktionskapazitäten will Volkswagen deutlich senken. In Europa sollen bis 2030 weitere Kapazitäten für 500.000 Fahrzeuge wegfallen, zusätzlich zum bereits laufenden Abbau von einer Million Fahrzeugen bis 2028. In China plant VW ebenfalls eine Reduzierung um 500.000 Fahrzeuge. Finanzvorstand Arno Antlitz begründet den Kurs mit dem Wettbewerbsdruck durch chinesische Hersteller, die in Europa neue effiziente Werke aufbauen.
Aktionärsvertreter halten Einsparungen für notwendig, fordern aber eine breitere Strategie. Janne Werning von Union Investment warnte, ein Sparprogramm allein reiche nicht. Volkswagen müsse Lösungen für China, die USA und softwaredefinierte Fahrzeuge finden. Deka-Manager Ingo Speich forderte attraktivere Produkte und kritisierte die komplexe Konzernstruktur mit den Interessen der Familien Porsche und Piëch, des Landes Niedersachsen, Katars und freier Aktionäre. IG Metall und VW-Betriebsrat setzten klare Grenzen: sichere Beschäftigung, Zukunftsperspektiven und gute Arbeit. Werksschließungen bleiben für sie indiskutabel. Zudem sorgte der Rückzug von Susanne Wiegand aus dem Volkswagen-Aufsichtsrat für Aufmerksamkeit. Die frühere Chefin des Rüstungskonzerns Renk stellte sich nach nur einem Jahr im Kontrollgremium überraschend nicht erneut zur Wahl. Ursprünglich sollte auf der Hauptversammlung über ihre Wiederwahl bis 2031 abgestimmt werden.
