Volkswagen richtet sich strategisch neu aus und fährt die weltweiten Produktionskapazitäten deutlich zurück. Konzernchef Oliver Blume kündigte in einem Interview mit dem “Manager Magazin” an, die Fertigung um bis zu zwei Millionen Fahrzeuge zu reduzieren. Eine Million Kapazität wurde bereits in China gestrichen, eine weitere Million soll bis 2028 in Europa folgen. Zusätzlich prüft Volkswagen den Abbau von bis zu einer weiteren Million Einheiten weltweit.
Damit schrumpft die industrielle Basis von zuvor über zwölf Millionen auf nachhaltig rund neun Millionen Fahrzeuge pro Jahr. Hintergrund sind sinkende Absatzzahlen seit der Corona-Pandemie, zunehmender Wettbewerbsdruck in China, US-Zölle sowie ein geschrumpfter europäischer Markt. Parallel plant Volkswagen bis 2030 den Abbau von 50.000 Stellen und eine deutliche Reduzierung der Modellvielfalt.
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Volkswagen reagiert auf Absatz-rückgang und Überkapazitäten
Volkswagen-Chef Oliver Blume machte deutlich, dass die Wachstumsannahmen der Vergangenheit nicht mehr realistisch sind. Noch 2019 setzte Volkswagen weltweit rund elf Millionen Fahrzeuge ab. Die Produktionskapazitäten waren sogar auf etwa zwölf Millionen Einheiten ausgelegt, teilweise plante der Konzern mit bis zu 14 Millionen Autos pro Jahr. Seit der Pandemie liegt der Absatz jedoch dauerhaft bei rund neun Millionen Fahrzeugen jährlich. Für Oliver Blume ist klar: Diese Diskrepanz zwischen Nachfrage und Produktionsvolumen kostet den Konzern Milliarden. “Überkapazitäten sind für unser Unternehmen langfristig nicht tragfähig”, sagte der Volkswagen-Vorstandschef. In China hat Volkswagen deshalb bereits mehr als eine Million Fahrzeuge an jährlicher Kapazität aus dem System genommen. In Europa sollen bei den Marken Volkswagen und Audi bis 2028 weitere rund eine Million Fahrzeuge an Produktionsvolumen entfallen.
Die Volkswagen AG im Überblick
Hans Dieter Pötsch (Aufsichtsratsvorsitzender) |
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Volkswagen prüft darüber hinaus zusätzliche Anpassungen von bis zu einer weiteren Million Einheiten weltweit. Ziel ist es, die Produktionsstruktur dauerhaft auf ein realistisches Absatzniveau von etwa neun Millionen Fahrzeugen auszurichten. Besonders in Deutschland stehen mehrere Werke unter Druck, da sie nicht ausreichend ausgelastet sind. Diskutiert werden immer wieder Standorte wie Emden oder Zwickau. Werksschließungen will Oliver Blume jedoch nicht vorschnell forcieren. Stattdessen setzt Volkswagen auf alternative Lösungen. So könnte das Werk in Osnabrück, wo die Produktion ausläuft, künftig von externen Investoren genutzt werden, unter anderem aus der Verteidigungsindustrie. Auch Verkäufe einzelner Standorte an neue Marktteilnehmer, beispielsweise chinesische Hersteller, schließt Volkswagen nicht grundsätzlich aus.
“Überkapazitäten sind für unser Unternehmen langfristig nicht tragfähig. Und in der heutigen Markt- und Wettbewerbssituation ist die Volumenplanung der Vergangenheit unrealistisch.”
Oliver Blume
Oliver Blume treibt Stellenabbau und Modell-Offensive voran
Der Umbau bei Volkswagen bleibt nicht ohne Folgen für die Beschäftigten. Bis 2030 sollen konzernweit rund 50.000 Stellen wegfallen, davon etwa 35.000 in Deutschland. Bereits rund 30.000 Mitarbeitende bei Volkswagen, Audi, Porsche und der Softwaretochter Cariad haben Vereinbarungen für einen sozialverträglichen Abbau getroffen. Oliver Blume betonte, dass Volkswagen betriebsbedingte Kündigungen möglichst vermeiden will. Neben der Kapazitätsanpassung reduziert Volkswagen auch die Komplexität im Modellportfolio. Derzeit bietet der Konzern weltweit rund 150 Modelle an. Künftig soll die Zahl auf unter 100 Baureihen sinken. Durch weniger Varianten, gebündelte Plattformen und effizientere Entwicklungsprozesse will Volkswagen die Fixkosten senken und die Wettbewerbsfähigkeit steigern. Ein Beispiel ist die stärkere technische Verzahnung künftiger Modelle wie eines elektrischen Audi A4 mit Plattformen anderer Volkswagen-Fahrzeuge.

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Strategisch bleibt Volkswagen bei den Antrieben flexibel. Je nach Marktregion sollen batterieelektrische Modelle, Plug-in-Hybride, klassische Verbrenner und Range-Extender parallel angeboten werden. Gleichzeitig fordert Oliver Blume realistischere CO₂-Vorgaben in Europa. Für mögliche Strafzahlungen hat Volkswagen bereits rund eine halbe Milliarde Euro zurückgestellt. Auch in den USA verfolgt Volkswagen ambitionierte Pläne. Mit der neuen Marke Scout baut der Konzern ein Werk in South Carolina. Oliver Blume zeigte sich offen für Partnerschaften, um Investitionsrisiken zu minimieren. Eine Zusammenarbeit oder sogar ein möglicher Börsengang von Scout stehen im Raum. Trotz des schwierigen Marktumfelds hält Oliver Blume an klaren Zielen fest. Volkswagen soll bis zum Ende des Jahrzehnts eine operative Rendite von acht bis zehn Prozent erreichen. Aktuell liegt sie bei lediglich 2,8 Prozent. Für Volkswagen beginnt damit eine Phase konsequenter Kostendisziplin, struktureller Anpassungen und strategischer Neuausrichtung im globalen Wettbewerb.