Der Iran hat die Straße von Hormus offenbar erneut blockiert und damit das erst wenige Tage alte Abkommen mit den USA in eine schwere Krise gestürzt. Nach mehreren Medienberichten sollen die iranischen Revolutionsgarden Schiffe per Funk gewarnt haben, sich der strategisch wichtigen Meerenge im Persischen Golf nicht zu nähern. Als Begründung nennt die IRGC die israelischen Angriffe auf die Hisbollah im Libanon sowie aus Sicht Teherans nicht vollständig aufgehobene US-Maßnahmen gegen iranische Häfen.
Eine unabhängige Bestätigung für eine vollständige Sperrung der Straße von Hormus liegt bislang nicht vor. Gleichzeitig erklärte die zuständige Persian Gulf Strait Authority, eine Durchfahrt sei weiterhin möglich, wenn Schiffe vorab einen Antrag stellen und strenge Vorgaben einhalten. Für Reedereien, Tanker, Ölpreise und den internationalen Handel bleibt die Lage damit hochriskant.
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Straße von Hormus: Revolutions-garden drohen mit Angriffen
Nach den vorliegenden Informationen veröffentlichte die Maritime Sicherheitsbehörde der iranischen Revolutionsgarden ein Dokument, aus dem eine erneute Schließung der Straße von Hormus hervorgehen soll. Zusätzlich kursieren Mitschnitte aus einem Schifffahrts-Funkkanal. Darin sollen Schiffe aufgefordert worden sein, die Meerenge nicht zu durchqueren. Die Straße von Hormus bleibe demnach geschlossen, bis Israel seine Angriffe im Libanon stoppe und die USA ihre Blockade gegen den Iran vollständig aufheben. Besonders brisant ist die angebliche Drohung der Revolutionsgarden. Jedes Schiff, das sich der Anordnung widersetze, werde angegriffen. Berichte über Warnschüsse kleiner Kanonenboote der IRGC nahe der Meerenge konnten bislang nicht unabhängig bestätigt werden. Dennoch deuten Tracking-Daten darauf hin, dass sich zahlreiche Schiffe in der Nähe der Straße von Hormus kaum oder gar nicht bewegen. Für die internationale Schifffahrt ist das ein ernstes Warnsignal.
IRGC has reportedly told ships in the Strait of Hormuz that:
— Faytuks News (@Faytuks) June 19, 2026
"Since Israel's withdrawal from Lebanon and the complete lifting of the naval blockade and the withdrawal of American terrorist forces from the Persian Gulf and the region are among the main conditions of the… pic.twitter.com/ONP19DmneF
Gleichzeitig kommen aus dem Iran widersprüchliche Signale. Die Persian Gulf Strait Authority erklärte auf X, die Passage durch die Straße von Hormus sei weiterhin möglich. Voraussetzung sei jedoch ein Antrag mindestens 48 Stunden vor Erreichen des Gebiets. Schiffe müssten vollständige Informationen einreichen, zugewiesene Routen und Zeiten einhalten und die Verantwortung für Verzögerungen bei Verstößen selbst tragen. Damit entsteht der Eindruck einer kontrollierten Öffnung, während die Revolutionsgarden offenbar eine harte Blockade-Linie verfolgen. Die Straße von Hormus zählt zu den wichtigsten Handelsrouten der Welt. Durch die Meerenge zwischen Iran und Oman läuft ein großer Teil des globalen Öl- und Flüssiggastransports. Jede Störung kann deshalb direkte Folgen für Ölpreise, Energiekosten, Lieferketten und Verbraucherpreise haben. Auch Europa ist betroffen, weil Unsicherheit im Persischen Golf schnell auf Rohstoffmärkte, Industrieproduktion und Transportkosten durchschlagen kann.

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USA und Iran: Rahmenabkommen gerät unter Druck
Erst wenige Tage zuvor hatten die USA und der Iran ein Rahmenabkommen vereinbart, das die Lage in der Straße von Hormus entspannen sollte. Washington erklärte, die Durchfahrt von Schiffen mit Start oder Ziel im Iran werde nicht mehr militärisch verhindert. Das für den Nahen Osten zuständige US-Regionalkommando teilte mit, sämtliche Maßnahmen zur Durchsetzung der Blockade seien eingestellt worden. Im Gegenzug sollte Teheran die freie Durchfahrt durch die Straße von Hormus ermöglichen. Der Iran hatte zudem angekündigt, für 60 Tage auf Transitgebühren zu verzichten. Eine neu geschaffene Behörde sollte Genehmigungen zur Passage erteilen. Aus Sicherheitsgründen sollten Schiffe feste Routen und Zeitfenster nutzen. Am Donnerstag passierten nach Angaben von Tracking-Diensten wieder mehrere Frachtschiffe die Meerenge. Das Unternehmen AXSMarine sprach von 25 Handelsschiffen, dem höchsten Wert seit dem 18. April. Vor dem Iran-Krieg waren es nach Angaben des Verbands Deutscher Reeder jedoch täglich mehr als 100 Schiffe.
Die Straße von Hormus im Überblick
| Verbindet Gewässer | Persischer Golf |
| mit Gewässer | Golf von Oman Arabisches Meer |
| Trennt Landmasse | Arabische Halbinsel |
| von Landmasse | Asien |
| Geringste Breite | 55 Kilometer |
| Küstenorte | Bandar Abbas (Iran) |
| Inseln | Hormus (Iran) |
Von einer Normalisierung der Schifffahrt kann deshalb keine Rede sein. Reedereien sehen weiterhin erhebliche Risiken. Dazu zählen mögliche Seeminen, militärische Zwischenfälle, unklare Genehmigungsverfahren und widersprüchliche Anweisungen iranischer Machtzentren. Viele Unternehmen dürften ihre Routen erst dann wieder vollständig aufnehmen, wenn Sicherheit, Zuständigkeiten und Durchfahrtsregeln zuverlässig geklärt sind. Zusätzlich verschärft der Nahost-Konflikt die Situation. Israel griff in der Nacht zu Freitag mehr als 80 Ziele der pro-iranischen Hisbollah im Süden des Libanon an. Teheran hatte die Beendigung der Kämpfe an allen Fronten, ausdrücklich auch im Libanon, zur Bedingung für das Abkommen gemacht. Israel erklärte jedoch, sich an diese Regelung nicht gebunden zu fühlen. Auch diplomatisch wächst der Druck. Die für Freitag geplanten vertieften Gespräche zwischen den USA und dem Iran in der Schweiz wurden verschoben. Berichte aus dem Umfeld der Hisbollah legen nahe, dass Teheran wegen der anhaltenden israelischen Angriffe im Libanon zögert, eine Delegation zu entsenden.