Gianni Infantino erhält vor der FIFA-Präsidentenwahl 2027 die geschlossene Unterstützung Afrikas. Alle 54 Mitgliedsverbände des Kontinentalverbands CAF stellten sich auf Kap Verde hinter den amtierenden FIFA-Chef. Gleichzeitig fordert die UEFA seine Ablösung und sucht einen Gegenkandidaten. Bei einem Treffen in Berlin verständigten sich Europas Fußballverbände auf einen Reformplan. Allerdings fehlt ihnen weiterhin ein aussichtsreicher Herausforderer für die Wahl am 18. März 2027 in Rabat. Bis zum 18. November muss die Opposition einen Kandidaten offiziell benennen.
“Die FIFA benötigt eine neue Führung”, erklärte die UEFA nach dem Treffen ihrer 55 Mitgliedsverbände in Berlin. Das Vertrauen in Gianni Infantino sei verloren. Zudem unterstützten 54 Verbände einen Reformplan, lediglich Aserbaidschan stimmte nicht zu.
FIFA-Präsidentenwahl 2027: UEFA fordert Ablösung von Infantino
Die Europäer verlangen eine klare Gewaltenteilung, unabhängige Kontrollgremien und mehr Transparenz bei Entscheidungen sowie der Verwendung finanzieller Mittel. Auch die Rolle des FIFA-Generalsekretärs soll gestärkt werden. DFB-Präsident Bernd Neuendorf hält einen Führungswechsel für notwendig. “Es muss eine Veränderung an der Spitze der FIFA geben”, betonte er. Unter Infantino sieht Neuendorf kaum Möglichkeiten für einen glaubwürdigen Reformprozess.
FIFA-Präsidenten seit 1904
Wer den 56-Jährigen herausfordern soll, bleibt jedoch offen. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin strebt eine weitere Amtszeit in seinem bisherigen Amt an. Auch CONCACAF-Präsident Victor Montagliani soll auf eine Kandidatur verzichten. Paris-Saint-Germain-Chef Nasser Al-Khelaifi steht ebenfalls nicht zur Verfügung. Mit Ramon Vega hat zumindest ein ehemaliger Schweizer Nationalspieler öffentlich Interesse angemeldet. Der 55-Jährige verspricht “fundamentale Reformen”. Für eine offizielle Kandidatur benötigt er allerdings die Unterstützung von mindestens fünf FIFA-Mitgliedsverbänden.
“Die Person an der Spitze, die in besonderer Weise dafür steht, wie die FIFA sich heute darstellt, muss abgelöst werden.”
DFB-Präsident Bernd Neuendorf
Gianni Infantino sichert sich Rückhalt aus Afrika und Asien
Während die UEFA einen Machtwechsel vorbereitet, baut Gianni Infantino seine internationale Unterstützung aus. Bei der CAF-Konferenz auf Kap Verde versammelten sich die afrikanischen Verbandsvertreter demonstrativ hinter dem Schweizer. “Wir unterstützen ihn und werden bei der nächsten Wahl hinter ihm stehen”, erklärte CAF-Präsident Patrice Motsepe unter dem Applaus der Delegierten. Auch in Südamerika und großen Teilen Ozeaniens verfügt Infantino über Rückhalt. In Asien zeichnet sich hingegen keine einheitliche Position ab. Mehrere arabische Verbände unterstützen inzwischen seine Wiederwahl. AFC-Präsident Scheich Salman bin Ibrahim al-Chalifa, zuvor ein Kritiker Infantinos, spricht sich mittlerweile für eine Überprüfung der bestehenden FIFA-Strukturen statt für grundlegende Veränderungen aus.
FIFA-Kongress: Verteilung der 211 Stimmen
Ausgelöst wurde der Machtkampf durch Infantinos inzwischen gescheiterten Vorstoß, Vermarktungsrechte rund um die Fußball-Weltmeisterschaft an private Investoren zu vergeben. Hinzu kam Kritik an seinem Führungsstil und politischen Entscheidungen. Bei der FIFA-Präsidentenwahl 2027 verfügen alle 211 Mitgliedsverbände über jeweils eine Stimme. Vor der Wahl steht noch ein direkter Austausch zwischen beiden Lagern an. Am 15. Oktober wollen unter anderem Ceferin und Neuendorf beim FIFA-Council in Zürich ihre Reformforderungen gegenüber Infantino verdeutlichen.