Das Briefporto 2027 könnte in Deutschland so stark steigen wie nie zuvor. Die Bundesnetzagentur plant, der Deutschen Post eine Portoerhöhung von durchschnittlich 20,35 Prozent zu erlauben. Dadurch könnte ein Standardbrief ab Januar 2027 statt 95 Cent rund 1,14 Euro kosten. Auch für Pakete und Geschäftspost sind höhere Preise vorgesehen. Die neuen Tarife sollen für 2027 und 2028 gelten. Wie stark die einzelnen Versandarten tatsächlich teurer werden, steht allerdings noch nicht fest.
Die Deutsche Post darf ihre Briefpreise nicht eigenständig festlegen. Zunächst muss die Bundesnetzagentur den zulässigen Preisrahmen bestimmen. Innerhalb dieser Grenze kann der Konzern anschließend entscheiden, welche Sendungsarten wie stark verteuert werden.
Portoerhöhung bei der Post: Standardbrief bald bei 1,14 Euro
Sollte die Post den geplanten Aufschlag gleichmäßig verteilen, würde der Standardbrief bis 20 Gramm künftig rechnerisch 1,14 Euro kosten. Möglich sind aber auch Preise von 1,10 oder 1,15 Euro. Dafür müssten andere Briefarten entsprechend stärker oder schwächer im Preis steigen. Die geplante Portoerhöhung wäre die kräftigste seit Beginn der bisherigen Preisregulierung. Im Jahr 2022 lag der durchschnittliche Aufschlag noch bei 4,6 Prozent. Anfang 2025 waren es bereits 10,48 Prozent. Seit 2012, als ein Standardbrief lediglich 55 Cent kostete, hätte sich der Preis damit mehr als verdoppelt.
Porto Standardbrief Deutschland seit 1989
Im europäischen Vergleich wäre das Briefporto in Deutschland dennoch relativ günstig. In Österreich kostet ein Standardbrief derzeit einen Euro, in den Niederlanden 1,40 Euro. Frankreich verlangt 1,52 Euro und will den Preis Anfang 2027 auf 1,67 Euro anheben. Neben den Briefpreisen könnten auch die Versandkosten für Pakete steigen. Hier sieht die Bundesnetzagentur für Privatkunden einen Aufschlag von durchschnittlich 10,72 Prozent vor. Bei Geschäftspost von Unternehmen und Behörden beträgt der geplante Erhöhungsspielraum ebenfalls 20,35 Prozent.
“Wenn die Kosten unter anderem aufgrund der zunehmenden Digitalisierung auf weniger Briefe zu verteilen sind, steigen die Preise.”
Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur
Warum das Briefporto 2027 deutlich teurer werden könnte
Hauptgrund für die steigenden Portopreise ist die sinkende Zahl verschickter Briefe. Während 2005 in Deutschland noch 16,9 Milliarden Briefsendungen transportiert wurden, waren es 2025 nur knapp 9,4 Milliarden. Immer mehr Unternehmen, Behörden und Privatpersonen kommunizieren inzwischen digital. Gleichzeitig muss die Deutsche Post weiterhin ein flächendeckendes Zustellnetz unterhalten. Personal, Filialen, Briefkästen und Transport verursachen hohe Kosten. Hinzu kommen gestiegene Ausgaben für Energie und Sachleistungen. Bundesnetzagentur-Präsident Klaus Müller sieht in den rückläufigen Briefmengen den entscheidenden Kostentreiber. Die Behörde habe jedoch nicht alle von der Deutschen Post beantragten Preisanpassungen berücksichtigt.

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Der Konzern selbst hat bislang keine konkreten Portopreise für 2027 beschlossen. Nach eigenen Angaben will die Post den möglichen Erhöhungsspielraum verantwortungsvoll nutzen. Zu hohe Preise könnten schließlich den Rückgang der Briefmengen zusätzlich beschleunigen. Bis zum 30. Oktober 2026 können Wettbewerber, Verbraucherschützer und weitere Beteiligte Stellung zum Vorschlag der Bundesnetzagentur nehmen. Die endgültige Entscheidung über den Preisrahmen wird im November erwartet. Erst danach legt die Deutsche Post ihre konkreten Tarife vor, die ebenfalls genehmigt werden müssen.