Die Spritpreise in Deutschland sinken nach Einschätzung des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC) deutlich zu langsam. Obwohl die Ölpreise auf dem Weltmarkt in den vergangenen Tagen massiv gefallen sind, profitieren Autofahrer bislang nur teilweise davon. Aktuell kostet ein Liter Super E10 im bundesweiten Durchschnitt 1,981 Euro, Diesel liegt bei 1,952 Euro pro Liter. Damit sanken die Benzinpreise innerhalb einer Woche zwar um 2,7 Cent und die Dieselpreise um 4,5 Cent. Doch angesichts des starken Rückgangs beim Rohöl hält der ADAC diese Entwicklung für unzureichend.
Für Millionen Verbraucher bleiben die Kraftstoffkosten damit weiterhin auf einem hohen Niveau. Der Automobilclub wirft Mineralölkonzernen erneut vor, sinkende Einkaufspreise nur verzögert an Tankstellenkunden weiterzugeben. Besonders auffällig ist der Unterschied zwischen den sinkenden Ölpreisen und den weiterhin hohen Spritpreisen. Der Preis für ein Barrel Brent-Öl fiel innerhalb weniger Tage von über 111 US-Dollar auf deutlich unter 100 Dollar. Auch die US-Ölsorte WTI verlor stark an Wert und sank zeitweise auf rund 90 Dollar pro Barrel. Trotzdem bleiben Benzinpreise und Dieselpreise in Deutschland vergleichsweise teuer.
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ADAC kritisiert langsame Senkung der Benzinpreise
Der ADAC sieht darin ein bekanntes Muster auf dem Kraftstoffmarkt. Nach Ansicht des Verkehrsclubs reagieren Mineralölunternehmen und Tankstellen deutlich schneller auf steigende Ölpreise als auf sinkende Rohölkosten. Während höhere Energiepreise oft unmittelbar an Autofahrer weitergegeben würden, kämen Preisrückgänge nur langsam an den Zapfsäulen an. Gerade deshalb wächst die Kritik an der Preisgestaltung auf dem deutschen Kraftstoffmarkt erneut deutlich. Trotz des Tankrabatts liegen die Spritpreise weiterhin mehr als 20 Cent pro Liter über dem Niveau vor Beginn des Konflikts zwischen den USA, Israel und dem Iran. Vor der Krise bewegten sich die Tankstellenpreise für Superbenzin und Diesel meist zwischen 1,70 und 1,80 Euro pro Liter.

Viele Pendler und Berufskraftfahrer spüren die hohen Kraftstoffpreise deshalb weiterhin massiv im Alltag. Auch der Wechselkurs zwischen Euro und US-Dollar liefert laut ADAC derzeit keine ausreichende Erklärung für die hohen Preise. Da Rohöl weltweit in Dollar gehandelt wird, kann ein starker Euro grundsätzlich zu günstigeren Einkaufspreisen führen. Weil sich der Wechselkurs zuletzt jedoch kaum verändert hat, sieht der Verkehrsclub den Rohölmarkt aktuell als deutlich wichtigeren Faktor. Der Tankrabatt der Bundesregierung bleibt unterdessen politisch umstritten. Seit Anfang Mai wurde die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um bis zu 16,7 Cent brutto pro Liter reduziert. Laut ADAC zeigt die Maßnahme inzwischen zwar erste Auswirkungen auf die Benzinpreise und Dieselpreise, viele Experten kritisieren jedoch weiterhin die mangelnde Zielgenauigkeit der milliardenschweren Entlastung.
“Ein weiteres Mal bestätigt sich damit, dass günstigere Einkaufsbedingungen von den Mineralölkonzernen nur verlangsamt an die Kunden weitergegeben werden.”
ADAC
Mit diesen Tipps können Auto-fahrer beim Tanken sparen
Wer angesichts hoher Kraftstoffkosten sparen möchte, sollte laut ADAC gezielt auf den richtigen Zeitpunkt achten. Besonders günstig seien die Spritpreise häufig kurz vor 12 Uhr mittags. Direkt danach steigen die Tankstellenpreise vielerorts deutlich an und sinken erst im weiteren Tagesverlauf langsam wieder. Bereits kleine Preisunterschiede können bei einer Tankfüllung mehrere Euro ausmachen. Zusätzlich lohnt sich vor allem vor Urlaubsreisen häufig ein Blick ins Ausland.
Der ADAC im Überblick
Oliver Weissenberger, Dieter Nirschl (Geschäftsführung) |
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In Polen, Tschechien, Österreich und Luxemburg waren Benzinpreise und Dieselpreise zuletzt teilweise deutlich niedriger als in Deutschland. Häufig noch höhere Kraftstoffpreise mussten Autofahrer dagegen in Frankreich, Dänemark oder den Niederlanden bezahlen. Regionale Unterschiede zwischen einzelnen Tankstellen bleiben dabei weiterhin groß. Die Diskussion über eine mögliche Verlängerung des Tankrabatts dürfte angesichts der hohen Energiepreise und weiterhin teurer Spritpreise in den kommenden Wochen weiter an Bedeutung gewinnen. Innerhalb der Bundesregierung gibt es bislang jedoch keine endgültige Einigung darüber, ob die Entlastungsmaßnahme über Ende Juni hinaus verlängert wird.