Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2026 stärker gewachsen als zunächst erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg von April bis Juni um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Zunächst hatte das Statistische Bundesamt lediglich 0,2 Prozent erwartet. Vor allem kräftige Exporte stützten das Wirtschaftswachstum.
Gleichzeitig geraten die Staatsfinanzen stärker unter Druck. Das Staatsdefizit erreichte im ersten Halbjahr 71,3 Milliarden Euro und damit 3,1 Prozent des BIP. Deutschland überschritt somit die Maastricht-Grenze von drei Prozent. Steigende Renditen für Bundesanleihen treiben zudem die Zinskosten nach oben.
Deutsche Wirtschaft profitiert von starken Exporten
Damit wächst die deutsche Wirtschaft bereits das dritte Quartal in Folge. Ende 2025 hatte das BIP um 0,3 Prozent zugelegt. Im ersten Quartal 2026 folgte ein Plus von 0,4 Prozent. “Die Wachstumsdynamik der deutschen Wirtschaft vom Jahresbeginn setzt sich fort”, erklärte Destatis-Präsidentin Ruth Brand. Entscheidend sei erneut die gute Exportentwicklung. Die Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen erhöhten sich im zweiten Quartal insgesamt um 2,0 Prozent. Die Warenexporte legten sogar um 2,6 Prozent zu. Die Dienstleistungsexporte blieben dagegen unverändert. Allein im Juni exportierten deutsche Unternehmen Waren im Rekordwert von 139,3 Milliarden Euro.
Deutsches BIP seit 2015
zum Vorjahr |
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Die Binnenkonjunktur entwickelte sich deutlich schwächer. Private und staatliche Konsumausgaben stiegen jeweils nur um 0,1 Prozent. Gleichzeitig gingen die Investitionen in Maschinen, Geräte und Fahrzeuge um 1,4 Prozent zurück. Die Bauinvestitionen erhöhten sich lediglich um 0,1 Prozent. Für das dritte Quartal bleiben die Risiken hoch. Hohe Energiepreise infolge des ungelösten Iran-Konflikts belasten Unternehmen und Verbraucher. Außerdem erschwert das Niedrigwasser auf dem Rhein den Warentransport. Die Bundesbank erwartet deshalb von Juli bis September allenfalls ein leichtes Wirtschaftswachstum.
Deutsches Staatsdefizit steigt auf 71,3 Milliarden Euro
Parallel zur leichten Konjunkturerholung verschlechtert sich die Finanzlage des Staates deutlich. Das Staatsdefizit von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialversicherung lag im ersten Halbjahr bei 71,3 Milliarden Euro. Das waren 36,6 Milliarden Euro mehr als ein Jahr zuvor. Allein der Bund verbuchte ein Defizit von 48,1 Milliarden Euro. Laut IfW-Experte Jens Boysen-Hogrefe sind dafür insbesondere höhere Verteidigungsausgaben sowie zusätzliche Investitionen und Subventionen aus den Sondervermögen verantwortlich.
“Es besteht angesichts immer höherer Zinsforderungen und des demografischen Wandels hoher Konsolidierungsdruck, wenn in den kommenden Jahren verfassungskonforme Haushalte aufgestellt und mittel- bis langfristig die Staatsfinanzen nachhaltig ausgerichtet werden sollen.”
Jens Boysen-Hogrefe vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW)
Auch die steigenden Zinsen erhöhen den Druck auf den Bundeshaushalt. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen erreichte zuletzt rund 3,3 Prozent und damit den höchsten Stand seit mehr als 15 Jahren. Dadurch wird die Aufnahme neuer Schulden teurer. Die staatlichen Zinsausgaben stiegen im ersten Halbjahr bereits um 11,6 Prozent auf 27,3 Milliarden Euro. Ifo-Präsident Clemens Fuest sieht die höheren Anleiherenditen als Ausdruck wachsender Sorgen über Staatsverschuldung und Inflation. Er fordert eine mehrjährige Strategie zur Begrenzung der Staatsausgaben und zur Stärkung des Wirtschaftswachstums.
