Die mögliche Übernahme von Easyjet durch den US-Investor Castlelake nimmt konkrete Formen an. Nach mehreren abgelehnten Offerten hat der britische Billigflieger dem fünften Angebot “im Grundsatz” zugestimmt. Castlelake bietet nun 6,90 britische Pfund je Easyjet-Aktie und bewertet die Airline damit mit rund 5,2 Milliarden Pfund, umgerechnet knapp 6,1 Milliarden Euro.
Der Verwaltungsrat von Easyjet ist geneigt, den Aktionären die Annahme des Angebots zu empfehlen. Sicher ist die Übernahme aber noch nicht. Castlelake muss bis Anfang August ein verbindliches Angebot vorlegen. Zudem könnten EU-Vorgaben, Wettbewerbsbehörden und mögliche Gegenangebote von Lufthansa oder Air France-KLM den Deal erschweren.
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Castlelake erhöht Angebot für Billigflieger Easyjet deutlich
Der US-Investor Castlelake hatte bereits zuvor versucht, Easyjet zu übernehmen. Frühere Angebote von 6,25 Pfund und 6,50 Pfund je Aktie lehnte die Fluggesellschaft jedoch ab. Erst die erneute Erhöhung auf 6,90 Pfund je Aktie brachte Bewegung in die Verhandlungen. Der neue Preis entspricht einem deutlichen Aufschlag auf den Börsenkurs von Ende Mai, als das Interesse von Castlelake erstmals öffentlich wurde. An der Londoner Börse reagierten Anleger positiv auf die Nachricht. Die Easyjet-Aktie legte deutlich zu und erreichte den höchsten Stand seit 2022. Zuletzt notierte das Papier bei rund 615 Pence und damit etwa zehn Prozent im Plus.
Easyjet im Überblick
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In den vergangenen drei Monaten hatte die Aktie bereits mehr als die Hälfte an Wert gewonnen. Trotzdem zeigt der Kurs, dass Investoren weiterhin Risiken sehen. Noch fehlt ein verbindliches Übernahmeangebot. Castlelake zählt zu den größeren Investoren in der Luftfahrtbranche und verwaltet Vermögenswerte von rund 38 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen betont, man habe großen Respekt vor Easyjet, den Beschäftigten und der Entwicklung der Airline. Unterstützt werden sollen demnach das künftige Wachstum, die Modernisierung der Flotte und die langfristige Positionierung im europäischen Luftverkehr.
Easyjet-Übernahme: EU-Regeln und Wettbewerb bleiben Hürden
Die geplante Easyjet-Übernahme ist komplex, weil Castlelake als US-Unternehmen keine uneingeschränkte Kontrolle über eine europäische Fluggesellschaft übernehmen kann. Nach EU-Recht müssen Airlines mehrheitlich im Besitz von EU-Bürgern sein und auch von diesen kontrolliert werden. Deshalb will Castlelake offenbar nur 49 Prozent an der neuen Eigentümergesellschaft halten. Die übrigen Anteile sollen an europäische Partner gehen, darunter der frühere Easyjet-Manager Peter Bellew und Luftfahrtmanager Mark Breen. Zur Bietergruppe gehört außerdem Brookfield Asset Management. Für Castlelake ist Easyjet vor allem wegen seiner strategisch wichtigen Vermögenswerte attraktiv. Dazu zählen eine moderne Airbus-A320-Flotte sowie wertvolle Start- und Landerechte an Flughäfen in London, Paris, Mailand und Genf. Solche Slots gelten in der Luftfahrtbranche als knappes Gut. Größter Anteilseigner bleibt die Familie des Gründers Stelios Haji-Ioannou mit rund 15 Prozent.

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Analysten sehen trotz der Grundsatzvereinbarung offene Punkte. Entscheidend ist, ob Castlelake ein verbindliches Angebot vorlegt. Wichtig ist auch, ob Eigentümerstruktur, Kontrolle und mögliche Auflagen der Wettbewerbsbehörden tragfähig sind. Zudem gilt ein Gegengebot nicht als ausgeschlossen. Lufthansa und Air France-KLM könnten Interesse an Teilen des Easyjet-Streckennetzes oder an begehrten Slots haben. Offen bleibt, welche Strategie Castlelake nach einer erfolgreichen Übernahme verfolgen würde. Branchenexperten halten eine Aufteilung von Easyjet in Flugzeugflotte, Start- und Landerechte sowie Urlaubsgeschäft für möglich. Das könnte Kapazitäten im europäischen Markt verringern und anderen Airlines helfen. Auch bei Condor zeichnet sich indes ein Eigentümerwechsel ab. Finanzinvestor Attestor kann im Herbst den vom Bund gehaltenen Anteil von 49 Prozent übernehmen und sucht nach einem strategischen Partner. Als mögliche Interessenten werden Emirates, Etihad, Qatar Airways und Turkish Airways genannt.