Die Unicredit rückt bei der geplanten Übernahme der Commerzbank näher an die entscheidende Mehrheit heran. Nach Ablauf der Angebotsfrist am 3. Juli kontrolliert die italienische Großbank direkt gut 44 Prozent der Commerzbank-Aktien und kommt inklusive Kaufoptionen sowie Finanzinstrumenten auf 47,59 Prozent des Kapitals beziehungsweise 49,65 Prozent der Stimmrechte.
Damit steigt der Druck auf die Commerzbank-Führung, die Bundesregierung und die Aufsichtsbehörden deutlich. Der Vorstand der Commerzbank lehnt den als feindlich bewerteten Übernahmeversuch weiter ab, auch der Bund hält an seiner Gegenposition fest. Für eine tatsächliche Übernahme müssten zudem die Europäische Zentralbank und die EU-Kommission zustimmen.
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Commerzbank lehnt feindliche Übernahme durch Unicredit ab
Die Commerzbank stellt sich weiter gegen das Vorgehen der Unicredit. Vorstand und Aufsichtsrat betonen zwar, grundsätzlich für Gespräche offen zu sein. Gleichzeitig macht die Bank deutlich, dass ein Zusammenschluss nur einvernehmlich gelingen könne. Dafür müssten die Unternehmensführung, die Arbeitnehmervertreter und die Bundesregierung als zweitgrößter Aktionär eng eingebunden werden. Nach Angaben der Commerzbank hätten unabhängige Aktionäre weniger als zwei Prozent ihrer Aktien im Rahmen des Angebots angedient. Der Großteil der angebotenen Papiere stamme demnach von mit Unicredit verbundenen Banken und Parteien. Die Commerzbank wertet dies als Zeichen dafür, dass das Übernahmeangebot bei freien Aktionären kaum Zustimmung gefunden habe.
Commerzbank und Unicredit im Überblick
(Vorstandsvorsitzende) Jens Weidmann (Aufsichtsratsvorsitzender) | (Vorstandsvorsitzender) Andrea Orcel (Unternehmensleitung) |
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Auch die Bundesregierung bleibt bei ihrer Ablehnung. Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums bezeichnete das Vorgehen der Unicredit als aggressiv und feindlich. Der Bund hält rund zwölf Prozent an der Commerzbank und hat seine Anteile nicht verkauft. Die Bundesregierung will weiter im Sinne der Beschäftigten, des deutschen Mittelstands und des Finanzstandorts Frankfurt handeln. Zusätzlich verfügt der Bund im Aufsichtsrat über das Recht, zwei Kandidaten zu nominieren. Hessens Ministerpräsident Boris Rhein forderte unterdessen einen konstruktiven Dialog auf höchster Management-Ebene. Aus seiner Sicht dürfen weder der Finanzplatz Frankfurt noch die Commerzbank als wichtiger Mittelstandsfinanzierer geschwächt werden. Von Unicredit erwartet Rhein einen verantwortungsvollen Umgang mit dem stark ausgebauten Anteil.
“Nur mit einer einvernehmlichen Lösung unter Einbindung der Unternehmensführung, der Arbeitnehmer und ihrer Vertreter sowie der Bundesregierung als zweitgrößtem Aktionär ist es aus Sicht der Commerzbank realistisch, Synergien aus einem Zusammenschluss in einem angemessenen Umfang und Zeitrahmen zu erreichen.”
Erklärung der Commerzbank
Bankenübernahme: EZB und EU-Kommission entscheiden
Trotz des gewachsenen Einflusses ist die Übernahme der Commerzbank durch Unicredit noch nicht entschieden. Die italienische Großbank kann weitere Commerzbank-Aktien an der Börse kaufen, steht dabei aber unter Beobachtung der Finanzaufsicht. Entscheidend wird zudem die Zustimmung wichtiger Behörden sein. Dazu gehören vor allem die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank und die Wettbewerbshüter der EU-Kommission. Unicredit war im September 2024 bei der Commerzbank eingestiegen und hat ihren Einfluss seitdem Schritt für Schritt ausgebaut. Anfang Mai legte die Bank ein offizielles Übernahmeangebot vor. Geboten wurden 0,485 eigene Aktien je Commerzbank-Papier. Lange galt die Offerte als wenig attraktiv, weil sie unter dem Börsenkurs der Commerzbank lag. Durch den gestiegenen Aktienkurs der Unicredit wurde das Angebot zuletzt jedoch interessanter.

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Unicredit-Chef Andrea Orcel verfolgt mit der möglichen Commerzbank-Übernahme das Ziel, eine europäische Großbank zu formen, die als Gegengewicht zu großen US-Banken auftreten kann. Aus Sicht der Italiener bietet ein Zusammenschluss erhebliche Synergiepotenziale. Orcel sieht Möglichkeiten für Milliardeneinsparungen, unter anderem durch den Abbau von bis zu 7.000 Stellen bei der Commerzbank. Zudem will Unicredit das internationale Netzwerk der Frankfurter Bank verkleinern und das Institut stärker auf das Deutschlandgeschäft ausrichten. Der Konflikt zwischen Unicredit und Commerzbank dürfte sich weiter zuspitzen. Die Italiener hatten bereits signalisiert, bei ausreichender Unterstützung durch Aktionäre auf der nächsten Hauptversammlung im Frühjahr 2027 Veränderungen im Management der Commerzbank anzustreben. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp lehnt eine feindliche Übernahme ebenso ab wie die Bundesregierung. Während Unicredit weitere regulatorische Schritte vorantreiben will, pocht die Commerzbank auf eine einvernehmliche Lösung und den Schutz ihrer Rolle als zentrale Bank für den deutschen Mittelstand.