UniCredit startet Übernahme der Commerzbank: Milliarden-Deal spitzt sich zu

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Die geplante Übernahme der Commerzbank durch UniCredit geht in die entscheidende Phase. Die Aktionäre der italienischen Großbank UniCredit haben einer Kapitalerhöhung mit 99,55 Prozent zugestimmt und damit den Weg für ein offizielles Angebot freigemacht. Bereits am Dienstag will UniCredit den Commerzbank-Aktionären ein Tauschangebot vorlegen.

Ziel der Übernahme ist es, die Kontrolle über die Commerzbank zu sichern und einen der größten Bankendeals Europas zu realisieren. Und dies trotz Widerstand aus Management, Politik und Belegschaft.

UniCredit bietet 31 Euro je Commerzbank-Aktie

Im Zentrum der geplanten UniCredit-Commerzbank-Übernahme steht ein Aktientausch. Für jede Commerzbank-Aktie bietet UniCredit 0,485 eigene Anteile. Das entspricht aktuell rund 31 Euro je Aktie und einer Bewertung von etwa 35 Milliarden Euro. Damit liegt das Angebot jedoch unter dem aktuellen Börsenwert der Commerzbank, deren Aktien zuletzt bei etwa 35 Euro notierten. Für viele Investoren ist das Angebot daher unattraktiv.

Commerzbank und Unicredit im Überblick

Commerzbank
UniCredit
Gründung
26.02.1870
1998
Sitz
Frankfurt, Deutschland
Mailand, Italien
Rechtsform
Aktiengesellschaft
Aktiengesellschaft
Leitung
Bettina Orlopp
(Vorstandsvorsitzende)
Jens Weidmann
(Aufsichtsratsvorsitzender)
Pier Carlo Padoan
(Vorstandsvorsitzender)
Andrea Orcel
(Unternehmensleitung)
Mitarbeiterzahl
39.867 (2024)
72.110 (2025)
Bilanzsumme
590,1 Mrd. Euro (2024)
870,24 Mrd. Euro (2025)

Dennoch verfolgt UniCredit-Chef Andrea Orcel eine strategische Linie. Entscheidend ist das Überschreiten der 30-Prozent-Schwelle. Gelingt dies, kann UniCredit später weitere Commerzbank-Aktien zukaufen, ohne ein verpflichtendes Übernahmeangebot abgeben zu müssen. UniCredit ist bereits größter Einzelaktionär und kontrolliert knapp 30 Prozent der Anteile. Branchenexperten erwarten, dass das Übernahmeangebot noch nachgebessert wird, um die Erfolgschancen zu erhöhen. Parallel dazu hat Orcel bereits konkrete Pläne für die Zeit nach einer möglichen Übernahme vorgestellt. Dazu gehören ein Stellenabbau von rund 7.000 Jobs in Deutschland sowie eine Neuausrichtung des Geschäftsmodells.

Widerstand gegen die Übernahme der Commerzbank wächst

Die feindliche Übernahme der Commerzbank durch UniCredit sorgt in Deutschland für massive Kritik. Die Commerzbank-Führung lehnt das Vorgehen entschieden ab und wirft UniCredit mangelnde Transparenz und fehlende Gesprächsbereitschaft vor. Vizevorstandschef Michael Kotzbauer erklärte, das Konzept würde die Bank “zerlegen” und biete den Aktionären keinen angemessenen Mehrwert. Auch Arbeitnehmervertreter und Gewerkschaften sehen die Übernahmepläne kritisch. Sie warnen vor einem massiven Stellenabbau und einem zunehmenden Druck auf Beschäftigte im Zuge des Übernahmekampfs. Besonders die Aussicht auf tausende gestrichene Arbeitsplätze sorgt für Unruhe.

“So etwas habe ich noch nie erlebt, das ist nicht nur unmenschlich, sondern auch hochgradig feindlich und aggressiv.”

Sascha Übel, Gesamtbetriebsratschef der Commerzbank

Die politische Dimension verstärkt die Brisanz zusätzlich. Die Commerzbank gilt als Schlüsselbank für den deutschen Mittelstand und die Exportwirtschaft. Entsprechend skeptisch äußert sich die Bundesregierung zu einer möglichen Übernahme durch UniCredit. Sogar die Finanzaufsicht BaFin griff ein und untersagte UniCredit reißerische Werbekampagnen gegen die Commerzbank. Ein ungewöhnlicher Schritt, der zeigt, wie angespannt die Lage im europäischen Bankenmarkt ist. Gleichzeitig bleibt die grundlegende Frage bestehen: Braucht Europa größere Banken durch Fusionen und Übernahmen? Viele Experten sehen darin eine Notwendigkeit, um mit US-Großbanken konkurrieren zu können. Doch der aktuelle Fall zeigt, dass eine Übernahme ohne Vertrauen und Kooperation erhebliche Risiken birgt. Und dies für Unternehmen, Beschäftigte und den gesamten Finanzmarkt.

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