Inflation in Deutschland steigt auf 3,3 Prozent – Tankrabatt soll Spritpreise senken

Bildquelle: depositphotos.com / stadtratte

Die Inflation in Deutschland ist im September auf 3,3 Prozent gestiegen und hat damit den höchsten Stand seit Ende 2023 erreicht. Im August hatte die Inflationsrate noch bei 2,9 Prozent gelegen. Hauptgrund sind die stark gestiegenen Spritpreise und Energiekosten. Energie verteuerte sich innerhalb eines Jahres um 14,9 Prozent.

Ab dem 1. Oktober soll deshalb ein neuer Tankrabatt Autofahrer entlasten und die Kraftstoffpreise um bis zu 17 Cent je Liter drücken. Ökonomen erwarten dadurch zunächst einen geringeren Preisauftrieb. Gleichzeitig wächst jedoch das Risiko, dass Unternehmen höhere Energiekosten an ihre Kunden weitergeben.

Hohe Spritpreise treiben Inflation in Deutschland

Nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes lagen die Verbraucherpreise im September 3,3 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Einen stärkeren Anstieg hatte Deutschland zuletzt im Dezember 2023 mit 3,7 Prozent verzeichnet. Gegenüber August erhöhten sich die Preise um 0,6 Prozent. Vor allem die Energiepreise treiben die Teuerung. Sorgen um die globale Ölversorgung ließen den Preis für Brent-Öl zeitweise deutlich über 100 Dollar je Barrel steigen. Gleichzeitig erreichten die Preise für E10 und Diesel an deutschen Tankstellen Höchststände.

Inflationsraten in Deutschland seit 2015

Jahr
Inflationsrate
2015
0,5 %
2016
0,5 %
2017
1,5 %
2018
1,8 %
2019
1,4 %
2020
0,5 %
2021
3,1 %
2022
6,9 %
2023
5,9 %
2024
2,2 %
2025
2,2 %

“Kraftstoffe sind mit Abstand der größte Preistreiber”, sagte Daniel Hartmann, Chefvolkswirt des Vermögensverwalters Bantleon. Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung in Nordrhein-Westfalen. Dort kostete Diesel im September 48,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Benzin verteuerte sich um 33,8 Prozent, Heizöl sogar um 49,9 Prozent. Bei anderen Waren und Dienstleistungen fiel der Preisanstieg deutlich geringer aus. Nahrungsmittel waren 0,4 Prozent teurer als im Vorjahresmonat. Dienstleistungen wie Reisen oder Versicherungen verteuerten sich um 2,7 Prozent. Die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel blieb bei 2,4 Prozent.

“Sprit und Heizöl haben sich bereits spürbar verteuert, im Winter dürften die Energieversorger die Preise für Strom und Gas anheben.”

Timo Wollmershäuser, Ifo-Konjunkturchef

Tankrabatt ab Oktober soll Inflation dämpfen

Die Bundesregierung reagiert auf die hohen Kraftstoffpreise mit einem neuen Tankrabatt. Vom 1. Oktober bis zum Jahresende sollen die Steuern auf Sprit sinken. Dadurch könnten Benzin und Diesel um bis zu 17 Cent je Liter günstiger werden. Eine ähnliche Entlastung hatte bereits im Mai und Juni gegolten. Die Ökonomen der Landesbank Helaba rechnen damit, dass der Tankrabatt die Inflationsraten in den kommenden drei Monaten dämpft. Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank, erwartet allein für Oktober einen Effekt von rund 0,3 Prozentpunkten.

Der Preisdruck könnte dennoch hoch bleiben. Das Ifo-Barometer für die Preiserwartungen deutscher Unternehmen stieg im September von 21,4 auf 22,7 Punkte. Firmen könnten ihre höheren Energiekosten deshalb verstärkt an Verbraucher weitergeben. Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser erwartet zudem, dass Energieversorger im Winter die Preise für Strom und Gas anheben könnten. Auch die EZB-Zinsen rücken damit stärker in den Fokus. Nach zwei Zinserhöhungen in diesem Jahr liegt der maßgebliche Zins bei 2,50 Prozent. Deutsche Bank Research rechnet für Dezember mit einer weiteren Erhöhung auf 2,75 Prozent. Führende Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten zugleich, dass die Inflation in Deutschland von 2,8 Prozent in diesem Jahr auf 3,2 Prozent im Jahr 2027 steigen könnte.

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