Die Olympia-Bewerbung von Berlin steht offenbar vor dem Aus. Nach Medienberichten will die Hauptstadt ihre Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 zurückziehen. Damit würden bei der Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) am Samstag (26. September) in Baden-Baden nur noch München und Köln-Rhein-Ruhr antreten. Hintergrund sind der Wahlsieg der Linken in Berlin und das schwache Abschneiden im DOSB-Evaluierungsbericht. Eine offizielle Bestätigung des Rückzugs steht noch aus.
Nach Informationen des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb) berieten der noch amtierende Regierende Bürgermeister Kai Wegner, Sportsenatorin Iris Spranger und Olympiabeauftragter Kaweh Niroomand am Mittwochnachmittag über die Zukunft der Bewerbung. Für Donnerstagvormittag ist eine Pressekonferenz zu den Berliner Olympiaplänen angekündigt. Berlin hatte sich gemeinsam mit Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern beworben. Das Konzept Berlin+ sah eine Eröffnungsfeier auf dem Tempelhofer Feld vor. Die Freiwasserschwimmer sollten in der Spree antreten, während die Leichtathletikwettbewerbe im Olympiastadion stattfinden sollten.
Olympia 2036: Linken-Wahlsieg belastet Berliner Bewerbung
Die politische Unterstützung für die Olympia-Bewerbung Berlins ist nach der Abgeordnetenhauswahl deutlich geschwunden. Die Linke gewann mit ihrer Spitzenkandidatin Elif Eralp die Wahl. Bereits im Wahlkampf hatte sie die Olympiapläne abgelehnt. Nach ihrem Wahlerfolg erklärte Eralp: “Ich denke, dass sich die Entscheidung erledigt hat.” Zusätzlich belastet der DOSB-Evaluierungsbericht die Berliner Olympiapläne. Die Experten bewerteten das Konzept Berlin+ mit 74,6 von 100 Punkten. München erreichte 87 Punkte, Köln-Rhein-Ruhr kam auf 85 Punkte.
Olympische Sommerspiele seit 2000
Besonders deutlich fiel der Abstand beim Kriterium Stabilität aus. Während München 99 und Köln-Rhein-Ruhr 100 Punkte erhielten, kam Berlin lediglich auf 50 Punkte. Außerdem fehlte der Hauptstadt ein bestätigendes Referendum. In München und Nordrhein-Westfalen hatten jeweils 66 Prozent der Abstimmenden die Olympiapläne unterstützt. Berlin verfügte dagegen über einen Beschluss des Abgeordnetenhauses und die Unterstützung eines Kuratoriums.
Olympia-Bewerbung Berlins: Bob Hanning kritisiert Elif Eralp
Die Aussagen der Linken-Spitzenkandidatin lösten im Berliner Sport deutliche Reaktionen aus. Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning kritisierte Eralp gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. “Die ist noch gar nicht Regierende. Und dann ein solches Statement zu machen, ist unterirdisch”, sagte der Handballfunktionär. Auch Niroomand äußerte sich enttäuscht. “Sie hat in 45 Sekunden fast unsere Arbeit aus anderthalb Jahren zunichtegemacht”, erklärte Berlins Olympiabeauftragter am Dienstagabend in der rbb-Abendschau. Hanning hält einen Rückzug inzwischen für sinnvoll. Nach Eralps Aussagen könne er keinem Sportverband mehr empfehlen, für Berlin zu stimmen. Zugleich befürchtet er, dass sich ohne die Hauptstadt die Chancen auf eine erfolgreiche deutsche Olympia-Bewerbung verringern.
“Wenn du sagst, du willst eine Gesellschaft vereinen und ein Kuratorium aus Berlins Mitte dich um ein Gespräch bittet und du den Menschen, die sich für Olympia eingesetzt haben, so einen Schlag ins Gesicht entgegenspielst, dann ist das undemokratisch. Und unseriös. Und durch nichts zu rechtfertigen.”
Füchse Berlin-Geschäftsführer Bob Hanning
Nach dem bereits Ende Mai erfolgten Rückzug Hamburgs würde damit ein weiterer deutscher Interessent ausscheiden. Die Region Leipzig könnte dennoch Teil der Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 werden. Der Kanupark Markkleeberg ist auch im Bewerbungskonzept von Köln-Rhein-Ruhr vorgesehen. Der DOSB entscheidet am Samstag darüber, welche deutsche Bewerberregion in das internationale Rennen geht. Über die Vergabe der Olympischen Spiele entscheidet anschließend das Internationale Olympische Komitee (IOC).