Der EZB Leitzins dürfte am Donnerstag erneut steigen. Experten erwarten nahezu geschlossen eine Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent. Grund dafür sind vor allem die hohe Inflation und die gestiegenen Energiepreise infolge des Konflikts im Nahen Osten. Gleichzeitig zeigt sich die Wirtschaft im Euroraum robuster als erwartet. Für Sparer könnten dadurch Tagesgeld- und Festgeldzinsen weiter steigen. Anleger und Immobilienkäufer müssen dagegen mit hohen Renditen und Finanzierungskosten rechnen.
Die Europäische Zentralbank entscheidet bei ihrer Sitzung in Berlin über die weitere Geldpolitik. Eine Anhebung wäre bereits der zweite Zinsschritt in diesem Jahr. Mitte Juni hatte die EZB den Leitzins erstmals seit September 2023 wieder erhöht.
EZB Leitzins: Inflation erhöht Druck auf die Notenbank
Im August stieg die Inflation im Euroraum auf 3,3 Prozent. Damit liegt sie deutlich über dem mittelfristigen EZB-Ziel von zwei Prozent. Vor allem höhere Öl- und Gaspreise treiben die Teuerung. Der Preis für ein Barrel Brent-Rohöl bewegte sich zuletzt wieder in Richtung 100 US-Dollar. Deshalb wächst innerhalb der EZB die Unterstützung für höhere Zinsen. EZB-Direktorin Isabel Schnabel hält eine weitere Straffung der Geldpolitik für erforderlich. Auch die Dekabank erwartet bei der September-Sitzung eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte. Seit der Zinspause im Juli habe sich der Inflationsausblick kaum verbessert.
EZB Leitzins-Entwicklung seit 2023
Zudem erleichtert die robuste Konjunktur der EZB den Zinsschritt. Eurostat korrigierte das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal nach oben. Demnach wuchs die Wirtschaft gegenüber dem Vorquartal um 0,6 Prozent statt der zunächst geschätzten 0,4 Prozent. Allerdings warnen Ökonomen auch vor Risiken. Berenberg-Volkswirt Felix Schmidt verwies darauf, dass die Inflation derzeit vor allem durch Energiepreise getrieben wird. Höhere Zinsen könnten diesen Angebotsschock kaum lösen. Stattdessen drohe eine zusätzliche Belastung für die Konjunktur.
“Die EZB läuft Gefahr, ohne Not die Konjunktur der Eurozone mit höheren Zinsen abzuwürgen.”
Felix Schmidt, leitender Volkswirt bei Berenberg
Zinserhöhung: Folgen für Tagesgeld, Aktien und Bauzinsen
Für Sparer dürfte die erwartete EZB-Zinserhöhung attraktiv sein. Raisin-Chefanalystin Jasmin Ehlert rechnet bei Tagesgeld und Festgeld mit weiter steigenden Zinsen. Einige Banken haben den erwarteten Schritt zwar bereits eingepreist. Dennoch besteht ihrer Einschätzung nach noch Spielraum nach oben. Am Aktienmarkt dürfte die direkte Reaktion dagegen begrenzt bleiben. Die Finanzmärkte rechnen bereits mit dem Zinsschritt. Umso wichtiger wird die Pressekonferenz von EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Signalisiert sie anschließend eine Zinspause, könnten Aktien profitieren und Anleiherenditen nachgeben.

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Für Immobilienkäufer bleiben die Aussichten schwieriger. Bauzinsen hängen zwar nicht direkt vom EZB Leitzins ab, reagieren jedoch auf Kapitalmarktzinsen und Inflationserwartungen. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen stieg im August laut Baufi24 auf rund 3,31 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 15 Jahren. Wie es nach September weitergeht, bleibt offen. Experten halten eine längere Zinspause bei 2,5 Prozent für möglich. Steigende Energiepreise und mögliche Zweitrundeneffekte könnten die EZB jedoch zu weiteren Zinserhöhungen zwingen.