Die Easyjet-Übernahme nimmt eine überraschende Wendung. Die britische Billigfluggesellschaft hat dem Angebot von Apollo Global grundsätzlich zugestimmt und rückt damit von der bisherigen Vereinbarung mit Castlelake ab. Apollo bietet 7,15 britische Pfund je Aktie und bewertet Easyjet mit rund 5,7 Milliarden Pfund, umgerechnet etwa 6,7 Milliarden Euro. Castlelake hatte zuletzt 6,90 Pfund je Aktie geboten und die Airline mit bis zu 5,5 Milliarden Pfund bewertet.
Der Easyjet-Vorstand will den Aktionären nun voraussichtlich das höhere Apollo-Angebot empfehlen. Nach britischem Übernahmerecht muss Apollo bis zum 7. August ein verbindliches Angebot vorlegen, Castlelake hat dafür bis zum 3. August Zeit. Ob die Übernahme von Easyjet tatsächlich zustande kommt, bleibt wegen regulatorischer Hürden zunächst noch offen.
Easyjet Übernahme: Apollo setzt sich gegen Castlelake durch
Im Übernahmepoker um Easyjet hat Apollo Castlelake vorerst ausgestochen. Der US-Finanzinvestor bietet den Aktionären nach Einschätzung der Airline den höheren Barwert. In einer gemeinsamen Erklärung von Easyjet und Apollo heißt es, das vorgeschlagene Barangebot biete ein besseres Ergebnis, weil es über dem jüngsten Angebot von Castlelake liege. Für Easyjet ist der Schritt bemerkenswert. Die Airline hatte sich lange gegen eine Übernahme gewehrt. Frühere Vorstöße von Castlelake bezeichnete das Unternehmen als “äußerst opportunistisch”. Castlelake wiederum kritisierte, der Easyjet-Verwaltungsrat habe sich nicht ernsthaft auf Gespräche eingelassen, und wandte sich zeitweise direkt an die Aktionäre.
Easyjet im Überblick
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Mit Apollo scheint Easyjet nun einen Bieter gefunden zu haben, dessen Angebot den Gremien attraktiver erscheint. Apollo erklärte, man glaube an die bestehende Strategie von Easyjet. Aktionäre sollen außerdem wählen können, ob sie statt einer Barzahlung Anteile an dem Apollo-Fonds erhalten, in dem Easyjet künftig gehalten werden soll. Die Easyjet-Aktie reagierte deutlich positiv auf die neue Offerte. Nach Bekanntwerden des Apollo-Angebots legte der Kurs zeitweise kräftig zu. Seit Mitte Mai ist die Aktie im Zuge der Übernahmespekulationen stark gestiegen. Analyst Ruairi Cullinane von RBC sieht durch den zweiten Bieter eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass eine Easyjet Übernahme tatsächlich gelingt. Einen harten Bieterkampf hält er jedoch für weniger wahrscheinlich, weil Castlelake seine Offerte bereits mehrfach erhöht habe.
“Apollo glaubt an die bestehende Strategie von Easyjet, das Geschäftsmodell der Billigfluggesellschaft weiterzuentwickeln und zu stärken.”
Aus der gemeinsamen Erklärung von Apollo Global und Easyjet
Warum Easyjet für Apollo und Castlelake so attraktiv ist
Easyjet gilt seit Jahren als attraktives Übernahmeziel im europäischen Luftverkehr. Die britische Fluggesellschaft verfügt über wertvolle Start- und Landerechte an wichtigen Flughäfen wie London-Gatwick, Paris-Charles de Gaulle, Genf und Mailand-Linate. Diese Slots sind im Airline-Sektor besonders begehrt, weil sie Wachstum an stark ausgelasteten Flughäfen ermöglichen. Gegründet wurde Easyjet 1995 vom britisch-zypriotischen Unternehmer Stelios Haji-Ioannou, der mit seiner Familie weiterhin rund 15 Prozent der Anteile hält. Die Airline gehörte zu den ersten großen Billigfluggesellschaften Europas und prägte den Markt mit Direktbuchungen, einfachen Tarifen und kostenpflichtigen Zusatzleistungen an Bord. Inzwischen steht Easyjet vor einer strategischen Neuausrichtung. Die Airline konkurriert weiter mit Ryanair, Lufthansa und anderen europäischen Fluggesellschaften, will sich aber stärker von reinen Billigflugmodellen absetzen. Für diese Transformation könnte ein finanzstarker Investor wie Apollo wichtig werden.

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Trotz des höheren Angebots bleibt die Easyjet Übernahme komplex. Hohe Treibstoffkosten, Margendruck und geopolitische Unsicherheiten infolge des Iran-Konflikts belasten die Luftfahrtbranche. Hinzu kommen regulatorische Hürden bei grenzüberschreitenden Übernahmen im Airline-Sektor. Start-, Lande- und Überflugrechte hängen häufig davon ab, aus welchen Ländern die Eigentümer einer Fluggesellschaft stammen und wer die Kontrolle ausübt. Besonders eine Übernahme durch einen US-Finanzinvestor könnte deshalb Fragen zu Verkehrsrechten innerhalb Europas aufwerfen. Easyjet favorisiert derzeit Apollo statt Castlelake. Entscheidend wird nun, ob Apollo fristgerecht ein verbindliches Angebot vorlegt und ob die Behörden die Voraussetzungen für die Übernahme der britischen Airline genehmigen.