Der spektakuläre Wechsel von Johannes Golla von der SG Flensburg-Handewitt zur MT Melsungen schien längst beschlossen. Nun steht der Transfer plötzlich auf der Kippe. Obwohl der Kapitän der deutschen Handball-Nationalmannschaft im Dezember 2024 einen Vertrag bis 2031 unterschrieben hatte, mehren sich Berichte, wonach die MT Melsungen intern über einen Rückzug nachdenkt. Hintergrund sind finanzielle Einsparungen beim nordhessischen Bundesligisten. Gespräche über die sportliche Zukunft Gollas laufen bereits, ein Verbleib bei der SG Flensburg-Handewitt ist wieder eine realistische Option.
Kurz vor Weihnachten hatte die MT Melsungen die Rückkehr des gebürtigen Hessen offiziell gemacht. Johannes Golla, eine der prägenden Figuren der Handball-Bundesliga (HBL) und Führungsspieler bei der SG Flensburg-Handewitt, sollte ab Sommer 2026 zum sportlichen Aushängeschild der Nordhessen werden. Der Fünfjahresvertrag bis 2031 galt als klares Bekenntnis zu einer langfristigen Strategie.
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Etat-Reduzierung: Wird Johannes Golla für MT Melsungen zu teuer?
Doch seit Tagen ist der geplante Transfer das dominierende Gesprächsthema in der Handball-Bundesliga. Zuerst berichteten die “Flensborg Avis” und die “Hessische/Niedersächsische Allgemeine (HNA)”, dass die MT Melsungen ihren Kurs überdenkt. Demnach soll der Verein seinen Etat deutlich reduzieren. Die MT Spielbetriebs- und Marketing AG ist enger an Hauptsponsor B. Braun SE angebunden, gleichzeitig soll der Gesamtetat von bislang rund zehn Millionen Euro sinken.
Steckbrief von Johannes Golla
SG Flensburg-Handewitt (seit 2018) |
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DHB-Supercup 2019 Sieger European League 2024 Silbermedaille Olympische Spiele Paris 2024 Silbermedaille Handball-EM 2026 Handballer des Jahres 2022 All-Star-Team der Europameisterschaft 2022 |
In diesem Zusammenhang rückt auch Johannes Gollas Vertrag erneut in den Fokus. Nach Medieninformationen liegt sein vereinbartes Monatsgehalt bei rund 48.000 Euro brutto. Zudem sollen weitere geplante Transfers auf dem Prüfstand stehen, was die wirtschaftliche Neuausrichtung der MT Melsungen unterstreicht. Trainer Roberto Parrondo (46) soll diese Überlegungen dem Umfeld des Spielers bereits mitgeteilt haben. Seit dem vergangenen Wochenende laufen nun Gespräche, wie es mit Johannes Golla weitergehen könnte.
SG Flensburg-Handewitt könnte Johannes Golla zurückkaufen
Eine einvernehmliche Auflösung des bereits unterschriebenen Vertrags gilt als unwahrscheinlich. Realistischer erscheint ein Rückkauf durch die SG Flensburg-Handewitt. Brisant ist dabei eine Klausel im Arbeitspapier mit der MT Melsungen. Nach drei Jahren soll ein Ausstieg gegen eine sechsstellige Ablöse möglich sein, kolportiert werden rund 400.000 Euro. Diese Summe könnte nun zur zentralen Verhandlungsgrundlage werden. Für die SG wäre ein solcher Schritt finanziell darstellbar. Insbesondere, falls der dänische Leistungsträger Simon Pytlick im Sommer für eine hohe sechsstellige Summe zu den Füchsen Berlin wechseln sollte.
“Es hat weder Gespräche gegeben noch überhaupt einen Gedanken, bei Johannes Golla eine Rolle rückwärts zu machen. Seine Verpflichtung ist Bestandteil einer Mehrjahresplanung und passt in unsere Kostenentwicklung.”
Melsungens Vorstandssprecher Andreas Mohr
Offiziell weist die MT Melsungen die Rückzugsgerüchte jedoch zurück. Vorstandssprecher Andreas Mohr erklärte gegenüber der HNA, es habe “weder Gespräche noch Gedanken” an eine Rolle rückwärts gegeben. Die Verpflichtung Gollas sei Teil einer Mehrjahresplanung und passe in die Kostenentwicklung des Klubs. Die parallel laufenden Medienberichte zeichnen allerdings ein deutlich komplexeres Bild. Johannes Golla war 2018 von Melsungen zur SG Flensburg-Handewitt gewechselt und feierte dort nationale und internationale Erfolge, darunter die deutsche Meisterschaft, den DHB-Supercup sowie zwei Titel in der European League. Mit der Nationalmannschaft gewann er zuletzt Silber bei der Handball-Europameisterschaft und wurde ins Team des Turniers gewählt. Ob seine geplante Rückkehr zur MT Melsungen Bestand hat, ist derzeit offen.