Der Fed Leitzins könnte am Mittwoch erstmals seit mehr als drei Jahren wieder steigen. Erwartet wird eine Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte. Damit würde die Zinsspanne in den USA von derzeit 3,50 bis 3,75 Prozent auf 3,75 bis 4,00 Prozent steigen. Fed-Chef Kevin Warsh steht damit vor einer schwierigen Entscheidung. Die hartnäckige Inflation in den USA und hohe Energiepreise sprechen für eine straffere Geldpolitik. US-Präsident Donald Trump fordert dagegen deutlich niedrigere Zinsen. Die Fed Zinsentscheidung fällt um 20 Uhr deutscher Zeit. Um 20:30 Uhr erläutert Warsh den Beschluss auf einer Pressekonferenz.
In den vergangenen fünf Sitzungen hielt die US-Notenbank Federal Reserve den Leitzins unverändert. Bereits Ende Juli stimmten jedoch drei der zwölf stimmberechtigten Währungshüter für höhere Zinsen. Warsh unterstützte damals noch die Mehrheit und damit eine Zinspause.
Zinserhöhung der Fed: Inflation erhöht Druck auf Kevin Warsh
Inzwischen hat sich jedoch der Inflationsdruck verstärkt. Im August lagen die US-Verbraucherpreise laut den vorliegenden Quellen 3,4 Prozent über dem Vorjahresniveau. Damit bleibt die Teuerung deutlich über dem Inflationsziel der Fed von zwei Prozent. Zusätzlich sorgen hohe Energiepreise für Druck. Geopolitische Konflikte und Angriffe der Huthi auf die Infrastruktur Saudi-Arabiens verschärften die Sorgen um die Energieversorgung. Der Ölpreis stieg wieder über 100 Dollar je Barrel. Zudem bleiben Benzin und Diesel in den USA teuer.
Leitzins der US-Zentralbank Fed seit 2023
Steigende Energiepreise treffen nicht nur Autofahrer. Sie verteuern auch Produktion und Transport. Dadurch können die Preise vieler Waren und Dienstleistungen weiter steigen. Warsh hatte bereits beim Notenbanktreffen in Jackson Hole eine Reaktion angekündigt, falls die Inflation nicht nachlässt. Eine Zinserhöhung der Fed gilt an den Finanzmärkten deshalb inzwischen als wahrscheinlich. Donald Trump fordert dagegen einen wesentlich niedrigeren US-Leitzins. Ihm schweben Zinsen von rund einem Prozent vor. Niedrigere Finanzierungskosten könnten aus seiner Sicht Haushalte bei Hypotheken entlasten. Zudem würden sie den Schuldendienst der USA reduzieren.
“Ob Kevin Warsh unbehelligt oder mit verbalen Blessuren vom Weißen Haus aus der Pressekonferenz heraustreten wird, das ist die eigentlich spannende Frage.”
Analystenkommentar der NordLB
Fed Leitzins: Was eine Erhöhung für den S&P 500 bedeutet
Eine Erhöhung beim Fed Leitzins muss nach Einschätzung der UBS nicht automatisch fallende Aktienkurse auslösen. Die Bank untersuchte 16 Zinserhöhungszyklen seit 1954. Im ersten Jahr nach der jeweils ersten Zinsanhebung legte der S&P 500 demnach im Durchschnitt um 10,8 Prozent zu. Auch Goldman Sachs verweist auf ein ähnliches historisches Muster. In den ersten drei Monaten nach Beginn früherer Zinserhöhungszyklen verlor der S&P 500 durchschnittlich zwei Prozent. Nach zwölf Monaten stand dagegen im Schnitt ein Plus von neun Prozent.

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Für die weitere Entwicklung an der Wall Street dürfte daher nicht nur die Fed Zinsentscheidung wichtig sein. Die UBS sieht vor allem das Gewinnwachstum der Unternehmen als wichtigen Kurstreiber. Zudem erwartet die Bank derzeit keinen aggressiven Straffungszyklus. Deshalb hält sie an ihrem Kursziel von 8.100 Punkten für den S&P 500 zum Jahresende fest. Für Mitte 2027 nennt sie 8.400 Punkte. Auch JPMorgan hält einen moderaten Zinspfad für Aktien grundsätzlich für verkraftbar. Ein größeres Risiko entstünde jedoch, falls die Inflation erneut deutlich anzieht. Dann könnte die Federal Reserve zu weiteren Zinserhöhungen gezwungen sein.