Polarlichter über Deutschland: Sonnensturm färbt den Nachthimmel

Bildquelle: depositphotos.com / Anna_Om

In Deutschland haben in den vergangenen Nächten vielerorts Polarlichter den Himmel verfärbt. Ein Ereignis, das in mittleren Breiten selten ist und deshalb schnell für Aufmerksamkeit sorgt. Überregional gingen Meldungen ein, dass am Nordhorizont ein rötlicher Schimmer stand, teils ergänzt durch grünliche Bögen und flackernde Streifen, die auf Smartphone-Fotos deutlich kräftiger wirkten als mit bloßem Auge.

Der Auslöser liegt im Weltraumwetter. Eine Phase erhöhter Sonnenaktivität hat das Erdmagnetfeld stärker als üblich beeinflusst und das Polarlichtoval zeitweise so weit nach Süden verschoben, dass Polarlichter über Deutschland sichtbar wurden. Und das besonders dort, wo der Himmel dunkel war, der Blick nach Norden frei blieb und die Lichtverschmutzung gering ist. Wer in diesen Nächten zur richtigen Zeit draußen war, konnte das Leuchten minutenweise aufflammen und wieder abklingen sehen. Genau dieses wechselhafte “Atmen” ist typisch für Polarlichter, wenn die geomagnetische Aktivität in Wellen ankommt und die Atmosphäre in großer Höhe immer wieder neu angeregt wird.

Polarlichter: Warum Fotos oft mehr zeigen, als das Auge sieht

Viele Beobachter berichten bei Nächten mit Polarlichtern hierzulande zuerst von einem “seltsamen Dämmerlicht” im Norden. Das liegt daran, dass die Leuchterscheinungen über Deutschland häufig eher flach am Horizont stehen und schwächer ausfallen als in Skandinavien. Kameras – besonders mit Nachtmodus – sammeln mehr Licht und machen Strukturen sichtbar, die das Auge nur als zarten Schimmer wahrnimmt. So entstehen die typischen Aufnahmen: rötliche Flächen, grünliche Streifen, manchmal ein pulsierender Bogen.

Für die Sichtbarkeit entscheidend sind drei Faktoren: möglichst dunkler Himmel (wenig Mond und wenig Lichtverschmutzung), freie Sicht nach Norden und eine Phase starker geomagnetischer Aktivität. Dann kann sich das Leuchten minutenweise verstärken und wieder abflauen – typisch für Polarlicht in mittleren Breiten.

Was sind Polarlichter und wie entstehen sie?

Polarlichter sind Leuchterscheinungen in der oberen Atmosphäre. Sie entstehen, wenn geladene Teilchen aus dem Sonnenwind auf die Erdatmosphäre treffen. Das Erdmagnetfeld lenkt diese Teilchen bevorzugt in Richtung der Polarregionen. Dort stoßen sie in großer Höhe mit Sauerstoff- und Stickstoffteilchen zusammen. Diese Teilchen werden dabei angeregt und senden beim Zurückfallen in ihren Normalzustand Licht aus.

Erdmagnetfeld: Das Erdmagnetfeld umgibt die Erde und setzt sich aus drei Anteilen zusammen: dem dominierenden Geodynamo im äußeren Erdkern (ca. 95 %), einem kleineren Anteil aus Strömen in Iono- und Magnetosphäre sowie lokalen Störfeldern aus magnetisierten Gesteinen der Erdkruste. Sonnenwind und ionosphärische Winde können schnelle Schwankungen und magnetische Stürme auslösen, die Polarlichter verursachen. Genutzt wird das Erdmagnetfeld unter anderem für Navigation und geophysikalische Messungen.

Die Farben hängen von Höhe und beteiligten Teilchen ab. Grün ist besonders häufig, weil ein bestimmter Prozess in der Sauerstoffschicht der oberen Atmosphäre oft dominiert. Rot tritt eher bei anderen Bedingungen oder Höhen auf und wird in Deutschland bei starken Ereignissen wahrscheinlicher. Violette oder bläuliche Anteile können vorkommen, sind aber hierzulande seltener zu sehen.

Wie häufig kommen Polarlichter in Deutschland vor?

Im Normalfall bleibt das Polarlichtoval weit im Norden. Deshalb sind Polarlichter in Deutschland im Vergleich zu Nordnorwegen oder Island selten. Sichtungen häufen sich typischerweise in Phasen höherer Sonnenaktivität. Dann kommt es häufiger zu starken Störungen im Erdmagnetfeld, und das Polarlichtoval kann sich vorübergehend nach Süden schieben.

Formen von Polarlichtern

Abkürzung
Bezeichnung englisch
Bezeichnung deutsch
HA
Homogeneous Arc
Gleichmäßiger Bogen
HB
Homogeneous Band
Gleichmäßiges Band
RA
Rays Arc
Strahlenförmiger Bogen
RB
Rays Band
Strahlenförmiges Band
DS
Diffuse Surface
Diffuse Fläche
PS
Pulsating Surface
Pulsierende Fläche
PA
Pulsating Arc
Pulsierender Bogen
C
Corona
Korona (ringförmige Strahlen)
F
Flaming
Zenit-gerichtete, pulsierende Strahlen

Trotzdem gilt: Viele Nächte liefern nur schwache Effekte nahe dem Horizont, und nicht jedes “gute” Weltraumwetter sorgt automatisch für sichtbares Leuchten über Deutschland. Wer Polarlichter beobachten will, hat in Norddeutschland statistisch die besten Chancen. Je weiter südlich man ist, desto stärker muss die geomagnetische Aktivität ausfallen, damit das Leuchten überhaupt über den Horizont steigt.

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