Kosten- und Spartipps für Auslandsgespräche

Günstig ins Ausland telefonieren

Ein Gespräch ins Ausland kann fast nichts kosten oder sehr teuer werden. Entscheidend ist, von wo aus Sie anrufen, über welches Netz die Verbindung läuft und welche Art von Nummer Sie wählen. Die folgenden Tipps gelten für Anrufe aus deutschen Fest- und Mobilfunknetzen und für Reisen mit einer deutschen SIM-Karte.

EU-Roaming: Roam like at home

Seit Juni 2017 telefonieren, simsen und surfen Reisende innerhalb der EU zu Inlandskonditionen. Die heutige Rechtsgrundlage ist die Verordnung (EU) 2022/612. Sie gilt seit dem 1. Juli 2022 und läuft bis zum 30. Juni 2032. Anrufe, SMS und Daten im EU-Ausland werden mit dem Inlandsvolumen bzw. zum Inlandspreis abgerechnet. Die Verordnung garantiert außerdem, dass Sie im EU-Ausland dieselbe Netzqualität bekommen wie zu Hause, soweit das Gastnetz sie bietet. Ein 5G-Tarif soll also nicht ohne Grund auf 3G fallen.

Erfasst sind die 27 EU-Staaten einschließlich ihrer Gebiete in äußerster Randlage wie Kanaren, Madeira oder Réunion sowie die EWR-Staaten Norwegen, Island und Liechtenstein. Nicht automatisch erfasst sind unter anderem die Schweiz, Großbritannien (seit dem Brexit), die Kanalinseln und die Isle of Man, Monaco, Andorra, San Marino, der Vatikan und die Türkei. Manche deutsche Anbieter behandeln einzelne dieser Länder freiwillig wie die EU. Das ist aber eine Tarifleistung, kein gesetzlicher Anspruch. Prüfen Sie vor der Reise die Länderliste Ihres Tarifs.

Fair-Use-Regeln

Roam like at home ist für vorübergehende Reisen gedacht. Nach der Durchführungsverordnung (EU) 2016/2286 dürfen Anbieter einen Nachweis über den gewöhnlichen Aufenthalt oder eine feste Bindung an das Inland verlangen. Sie dürfen auch die Nutzung über einen Zeitraum von vier Monaten beobachten. Waren Sie in diesem Zeitraum überwiegend im Ausland und haben dort auch überwiegend telefoniert oder gesurft, darf der Anbieter nach einer Vorwarnung Aufschläge berechnen. Bei sehr günstigen oder unbegrenzten Datentarifen ist außerdem ein begrenztes EU-Datenvolumen zulässig, das nach einer festgelegten Formel berechnet und in der Leistungsbeschreibung angegeben wird.

Anrufe von Deutschland ins EU-Ausland

Roaming und Auslandsgespräche sind zwei verschiedene Dinge. Wer von zu Hause aus eine Nummer in einem anderen EU-Land anruft, telefoniert nicht im Roaming, und viele Flatrates schließen solche Ziele aus. Für diese Gespräche hat die EU mit der Verordnung (EU) 2018/1971 seit dem 15. Mai 2019 Preisobergrenzen für Verbraucher eingeführt: höchstens 19 Cent pro Minute und 6 Cent pro SMS, jeweils ohne Mehrwertsteuer. Die ursprünglich bis Mai 2024 befristete Regel wurde mit der Gigabit-Infrastrukturverordnung (EU) 2024/1309 verlängert. Ihr Anbieter muss Ihnen den aktuell gültigen Preis in der Preisliste nennen. EU-Optionen mit Freiminuten sind oft noch günstiger.

Kostenfallen unterwegs

Schiffs- und Flugzeugnetze

Auf Fähren, Kreuzfahrtschiffen und in Flugzeugen bucht sich das Handy oft in ein Satelliten- oder Bordnetz ein. Diese nichtterrestrischen Netze fallen nicht unter Roam like at home, selbst wenn das Schiff in EU-Gewässern liegt. Minuten- und Datenpreise sind dort sehr hoch. Die Verordnung (EU) 2022/612 verpflichtet Anbieter, auf diese Gefahr hinzuweisen und Kundinnen und Kunden vor unbeabsichtigter Nutzung zu schützen, etwa durch eine Sperrmöglichkeit. Am sichersten ist es, an Bord den Flugmodus einzuschalten oder die manuelle Netzwahl zu nutzen und nur das WLAN des Schiffes zu verwenden.

Satellitennummern

Nummern mit den Ländervorwahlen +870 (Inmarsat), +881 (globale Satellitentelefondienste wie Iridium) oder +882 (internationale Netze) gehören zu keinem Land. Anrufe dorthin sind in keiner Flatrate enthalten und kosten je nach Anbieter ein Vielfaches eines normalen Auslandsgesprächs. Viele Mobilfunkanbieter sperren solche Ziele standardmäßig oder nennen sie in einer eigenen Preisgruppe.

Datenroaming außerhalb der EU

Außerhalb der EU sorgt eine Kostenbremse dafür, dass mobile Daten standardmäßig gesperrt werden, sobald der Betrag 50 Euro netto (59,50 Euro inklusive Mehrwertsteuer) pro Abrechnungszeitraum erreicht. Sie werden vorher per SMS gewarnt und können die Grenze bewusst aufheben. Telefonate sind davon nicht erfasst.

Günstiger telefonieren

Internet-Telefonie und Messenger

Mit WhatsApp, Signal, FaceTime, Threema oder anderen Messengern telefonieren Sie über das Internet. Im WLAN fällt dafür nichts zusätzlich an, im EU-Roaming wird das Inlandsdatenvolumen genutzt. Eine Gesprächsminute verbraucht nur wenig Datenvolumen. Außerhalb der EU kann mobiles Datenroaming aber teurer sein als ein normales Telefonat. Klassische VoIP-Dienste mit Guthaben bieten zudem günstige Minutenpreise ins Fest- und Mobilfunknetz anderer Länder.

WLAN-Calling

Viele deutsche Netzbetreiber unterstützen WLAN-Calling (Wi-Fi Calling, VoWiFi). Das Handy telefoniert dabei über ein WLAN, aber mit der eigenen Rufnummer. Bei vielen Tarifen wird ein Anruf aus dem Ausland nach Deutschland über WLAN wie ein Inlandsgespräch berechnet. Die Bedingungen unterscheiden sich je nach Anbieter und Land, daher lohnt ein Blick in die Tarifdetails.

Auslandsoptionen

Wer regelmäßig in ein bestimmtes Land telefoniert, spart mit einer Auslandsoption oder einem Länderpaket, das Freiminuten in bestimmte Länder enthält. Für Reisen außerhalb der EU bieten Anbieter Roaming-Pakete für Tage oder Wochen an, die meist deutlich günstiger sind als die Standardpreise.

Lokale SIM und eSIM

Bei längeren Aufenthalten außerhalb der EU lohnt oft eine lokale Prepaid-SIM oder eine Reise-eSIM mit Datenvolumen. Mit einem Dual-SIM-Handy bleibt die deutsche Nummer erreichbar. Beachten Sie: Ankommende Gespräche auf der deutschen SIM können im Nicht-EU-Ausland Roaminggebühren auslösen. Leiten Sie Anrufe besser auf die Mailbox um oder schalten Sie die Rufumleitung ab.

Call-by-Call gibt es nicht mehr

Die früher beliebten Sparvorwahlen (010xy und 0100yy) funktionieren seit dem 1. Januar 2025 nicht mehr. Das Angebot von Betreiberauswahl und Betreibervorauswahl endete am 31. Dezember 2024. Die Bundesnetzagentur hat den zugehörigen Nummernplan mit Verfügung 87/2025 aufgehoben. Eine ähnliche Alternative ist Callthrough: Sie wählen eine Einwahlnummer, etwa im Bereich 01801, und danach die Zielnummer. Achten Sie dabei auf den Preis der Einwahlnummer und den Tarif des Anbieters.

Vorsicht bei Ping-Anrufen

Bei Ping-Anrufen klingelt das Telefon nur kurz, und im Display erscheint eine unbekannte Nummer, häufig mit ausländischer Vorwahl oder einer Satellitenvorwahl. Ziel ist ein Rückruf zu einer teuren Nummer. Rufen Sie unbekannte Auslandsnummern nicht zurück. Wer wirklich etwas will, versucht es erneut oder schreibt eine Nachricht. Melden Sie solche Anrufe der Bundesnetzagentur. Sie hat 2024 nach eigenen Angaben über 150.000 Beschwerden zum Rufnummernmissbrauch erhalten und rund 6.500 Rufnummern abgeschaltet.

Kosten im Blick behalten

  • Preisliste prüfen: Schauen Sie vor der Reise oder vor dem Anruf in die Länder- und Preisliste Ihres Tarifs, besonders bei Zielen außerhalb der EU.
  • Sperren nutzen: Viele Anbieter können Auslands-, Satelliten- und Premiumziele sowie die Abrechnung von Drittanbietern über die Handyrechnung sperren.
  • Kostenwarnungen aktivieren: Roaming-SMS und App-Benachrichtigungen zeigen, wann Kosten entstehen.
  • Mailbox abschalten: Im Nicht-EU-Ausland kann schon die Umleitung auf die Mailbox Kosten verursachen.
  • Rechnung kontrollieren: Prüfen Sie den Einzelverbindungsnachweis und beanstanden Sie unklare Posten schriftlich und zeitnah beim Anbieter.
  • 0800-Nummern im Ausland: Deutsche Gratisnummern sind aus dem Ausland oft nicht erreichbar. Fragen Sie nach einer regulären Festnetznummer mit +49.

Quellen