Aufbau des Nummernplans
So ist der Nummernplan aufgebaut
Hinter jeder Telefonnummer steht ein Regelwerk. Es legt fest, welche Ziffern ein Land kennzeichnen, wie lang eine Rufnummer sein darf und welche Nummernbereiche für Festnetz, Mobilfunk oder Sonderdienste reserviert sind. Auf der obersten Ebene gilt ein weltweiter Standard der Internationalen Fernmeldeunion. Jedes Land füllt ihn mit einem eigenen nationalen Nummernplan aus. Dieser Beitrag erklärt beide Ebenen und geht dann auf den deutschen Nummernplan der Bundesnetzagentur ein.
Der internationale Rahmen: ITU-T E.164
Grundlage des weltweiten Telefonnetzes ist die Empfehlung ITU-T E.164. Sie teilt jede internationale Rufnummer in zwei Teile:
- Ländervorwahl (Country Code): ein- bis dreistellig, zum Beispiel 1 für Nordamerika, 49 für Deutschland oder 423 für Liechtenstein.
- Nationale (signifikante) Rufnummer: alles, was nach der Ländervorwahl folgt. Bei geografischen Nummern ist das meist eine Ortsnetz- oder Bereichskennzahl plus die Teilnehmernummer.
Zusammen dürfen Ländervorwahl und nationale Rufnummer höchstens 15 Ziffern lang sein. Die Ausgangsvorwahl, mit der man aus dem eigenen Land hinauswählt, zählt nicht mit. Weil die Ländervorwahlen nach dem Präfixprinzip vergeben sind, ist keine Ländervorwahl der Anfang einer anderen. Ein Netz erkennt deshalb schon an den ersten Ziffern, wohin ein Gespräch gehen soll.
Die neun Weltnummerierungszonen
Die erste Ziffer der Ländervorwahl bezeichnet eine von neun Weltnummerierungszonen:
| Zone | Region | Beispiele |
|---|---|---|
| 1 | Nordamerika (North American Numbering Plan) | USA, Kanada, viele Karibikstaaten |
| 2 | Afrika und einige Inselgebiete | Ägypten +20, Südafrika +27, Grönland +299 |
| 3 und 4 | Europa | Frankreich +33, Italien +39, Großbritannien +44, Deutschland +49 |
| 5 | Mittel- und Südamerika | Mexiko +52, Brasilien +55 |
| 6 | Südostasien und Ozeanien | Australien +61, Neuseeland +64, Thailand +66 |
| 7 | Russland und Kasachstan | +7 |
| 8 | Ostasien und weltweite Dienste | Japan +81, China +86, Satellitendienste +870, +881 |
| 9 | West-, Süd- und Zentralasien, Naher Osten | Türkei +90, Indien +91, Vereinigte Arabische Emirate +971 |
Neben den Ländern gibt es Ländervorwahlen für weltweite Dienste ohne festes Gebiet, etwa für internationale gebührenfreie Nummern (+800), Satellitensysteme (+870, +881) oder internationale Netze (+882, +883).
Schreibweisen nach E.164 und E.123
Die international eindeutige Schreibweise beginnt mit einem Pluszeichen, gefolgt von Ländervorwahl und nationaler Rufnummer ohne führende Null, also etwa +49 89 1234567 für einen Münchner Anschluss. Das Plus steht für die jeweils gültige Ausgangsvorwahl. Smartphones setzen es beim Wählen automatisch richtig um. In Datenbanken und Formularen wird die Nummer oft ganz ohne Leerzeichen gespeichert (+49891234567). Das nennt man E.164-Format.
Die Empfehlung ITU-T E.123 regelt die Darstellung für Menschen. Die internationale Form trennt Ländervorwahl, Bereichskennzahl und Teilnehmernummer durch Leerzeichen. In der nationalen Form darf die Ortsvorwahl in Klammern stehen, um anzuzeigen, dass sie bei Ortsgesprächen entfallen kann, etwa (089) 1234567. In Deutschland empfiehlt die Schreibnorm DIN 5008 die Formen 089 1234567 und +49 89 1234567.
Ausgangsvorwahl: 00, 011 und andere
Wer ins Ausland telefoniert, wählt zuerst die internationale Ausgangsvorwahl (International Prefix). Die ITU empfiehlt dafür einheitlich 00. Diese Vorwahl gilt in Deutschland, fast ganz Europa und vielen anderen Staaten. Es gibt aber Ausnahmen: Im North American Numbering Plan (USA, Kanada und weitere) lautet sie 011, in Japan 010 und in Australien 0011. Eine Nummer im Plusformat funktioniert überall, weil das Endgerät oder Netz das Plus durch die richtige Ausgangsvorwahl ersetzt.
Wer die Nummern verwaltet
Die ITU ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit Sitz in Genf. Ihr Standardisierungssektor ITU-T vergibt die Ländervorwahlen, veröffentlicht die Liste der zugeteilten Codes und legt die gemeinsamen Regeln wie E.164 und E.123 fest. Was nach der Ländervorwahl kommt, entscheidet jedes Land selbst. Dafür sind die nationalen Regulierungsbehörden zuständig, in der Schweiz zum Beispiel das BAKOM und in Österreich die RTR. In Deutschland verwaltet die Bundesnetzagentur den Nummernraum auf Grundlage des Telekommunikationsgesetzes (TKG) und der Telekommunikations-Nummerierungsverordnung (TNV). Sie erstellt die Nummernpläne, teilt Rufnummernblöcke an Netzbetreiber und Einzelnummern an Anbieter zu und geht gegen Rufnummernmissbrauch vor.
Der deutsche Nummernplan
Verkehrsausscheidungsziffer und Ortsnetzkennzahlen
Innerhalb Deutschlands leitet die Verkehrsausscheidungsziffer 0 (das sogenannte Präfix) ein Gespräch in ein anderes Ortsnetz oder zu einem Dienst ein. Zwei Nullen (00) führen ins Ausland. Danach folgt die Ortsnetzkennzahl (ONKz), die ohne die führende Null zwei bis fünf Stellen hat. Kurze Kennzahlen gehören zu großen Städten, etwa 30 für Berlin, 40 für Hamburg, 69 für Frankfurt am Main und 89 für München. Kleinere Orte haben vier- oder fünfstellige Kennzahlen. Insgesamt gibt es rund 5.200 Ortsnetze. Die erste Ziffer der Kennzahl verrät grob die Region, zum Beispiel 2 für das westliche Nordrhein-Westfalen, 7 für Baden-Württemberg und 8 für Südbayern.
Auf die Ortsnetzkennzahl folgt die Teilnehmerrufnummer. Ihre Länge hängt von der Kennzahl ab: Je kürzer die Ortsvorwahl, desto länger kann die Teilnehmernummer sein. Kennzahl und Teilnehmernummer ergeben zusammen bei heutigen Zuteilungen meist zehn oder elf Ziffern, ältere Anschlüsse sind teils kürzer. Weil die Länge variiert, ist der deutsche Plan ein offener Nummernplan (siehe unten). Im internationalen Format entfällt die Null: Aus 0221 1234567 in Köln wird +49 221 1234567.
Die Nummernbereiche im Überblick
Nicht jede Vorwahl ist ein Ortsnetz. Der Bereich 01 ist fast vollständig für Mobilfunk und Dienste reserviert, und auch in den Bereichen 03 bis 09 liegen einzelne Dienstekennzahlen.
| Bereich | Nutzung |
|---|---|
| 010 | Früher Call-by-Call (010xy, 0100yy), seit 1. Januar 2025 eingestellt |
| 0137 | Massenverkehrsdienste, etwa Televoting |
| 015, 016, 017 | Mobilfunk; 0164, 0168 und 0169 für Funkruf (Pager) |
| 018 | 0180 für Service-Dienste, 0181 bis 0189 für virtuelle private Netze (früher Nutzergruppen) |
| 019 | 0191 bis 0194 für Online-Dienste, 0199 für netzinterne Verkehrslenkung |
| 02 bis 09 | Ortsnetzkennzahlen, mit Ausnahme der folgenden Dienstekennzahlen |
| 031 | Früher Testnummern 0310 und 0311, heute Reserve |
| 032 | Nationale Teilnehmerrufnummern ohne Ortsbezug |
| 0700 | Persönliche Rufnummern |
| 0800 | Entgeltfreie Telefondienste |
| 0900 | Premium-Dienste (Mehrwertdienste) |
| 110, 112, 115, 116xyz, 118xy | Kurzrufnummern ohne Vorwahl: Notrufe, Behördennummer, Dienste von sozialem Wert, Auskunft |
Mobilfunknummern
Handynummern beginnen mit 015, 016 oder 017. Die vierstellige Vorwahl, zum Beispiel 0151 oder 0176, wurde ursprünglich einem bestimmten Netzbetreiber zugeteilt. Sie verrät aber nicht zuverlässig das heutige Netz, weil Kundinnen und Kunden ihre Nummer zu einem anderen Anbieter mitnehmen können. Mobilfunknummern haben keinen Ortsbezug und kosten innerhalb Deutschlands unabhängig vom Aufenthaltsort gleich viel.
Sonderrufnummern
Für Service-, Mehrwert- und Massenverkehrsdienste gibt es eigene Bereiche mit gesetzlichen Schutzregeln. 0800-Nummern sind für Anrufende kostenlos. Für 0180-Nummern gelten seit dem 1. Dezember 2021 feste, netzübergreifend gleiche Preise. Bei 0900-Nummern zeigt die Ziffer nach 0900 seit dem 1. Dezember 2024 den Minutenpreis an. Für Premium-Dienste, Auskunftsdienste und Massenverkehrsdienste schreibt das TKG eine Preisansage vor. Für Premium-Dienste gilt zudem eine Obergrenze von 3 Euro pro Minute bzw. 30 Euro pro Verbindung. Für persönliche Rufnummern (0700) und nationale Teilnehmerrufnummern (032) darf eine Minute höchstens 9 Cent kosten. Eine vollständige Übersicht mit Preisen bietet die Liste der Sondernummern auf dieser Website.
Rufnummernmitnahme
Nach dem TKG dürfen Verbraucherinnen und Verbraucher beim Anbieterwechsel ihre Rufnummer behalten. Im Mobilfunk gilt das bundesweit und unabhängig vom Netz. Ortsrufnummern lassen sich ebenfalls zu einem anderen Festnetz- oder Internetanbieter mitnehmen, allerdings nur innerhalb desselben Ortsnetzes. Wer in eine andere Stadt mit anderer Vorwahl zieht, bekommt eine neue Festnetznummer.
Ortsnetzbindung
Eine Ortsrufnummer ist an ihren Ortsnetzbereich gebunden. Nach den Zuteilungsregeln der Bundesnetzagentur darf sie nur nutzen, wer im jeweiligen Ortsnetz wohnt oder eine Niederlassung hat. Das gilt auch für Internet-Telefonie, bei der der Anschluss technisch überall funktionieren würde. Damit soll die Vorwahl weiterhin einen Ortsbezug signalisieren. Wer eine Nummer ohne Ortsbezug braucht, kann auf eine nationale Teilnehmerrufnummer (032) oder eine persönliche Rufnummer (0700) ausweichen.
Offener und geschlossener Nummernplan
Nummernpläne lassen sich grob in zwei Typen einteilen. In einem offenen Nummernplan ist die Ortsvorwahl bei Gesprächen im selben Ortsnetz entbehrlich, und Rufnummern können unterschiedlich lang sein. Deutschland und Österreich sind typische Beispiele. In München genügt 1234567, aus Hamburg muss man 089 1234567 wählen. Der Vorteil ist die Flexibilität. Der Nachteil: Länge und Aufbau einer Nummer sind nicht auf einen Blick erkennbar, und Software muss die Kennzahlenliste kennen, um Nummern korrekt zu gliedern.
In einem geschlossenen Nummernplan wählt man immer die vollständige Nummer, und alle Nummern haben die gleiche oder eine fest vorgegebene Länge. Beispiele:
- Schweiz: Seit 2002 gilt die Vorwahlpflicht. Auch bei Ortsgesprächen wird die Vorwahl mitgewählt, etwa
044 123 45 67in Zürich. National haben Nummern zehn Stellen mit der führenden Null. - Norwegen: Alle Rufnummern sind achtstellig, Ortsvorwahlen und Verkehrsausscheidungsziffer gibt es nicht mehr. International wird einfach
+47vorangestellt. - Dänemark: Ebenfalls achtstellige Einheitsnummern ohne Ortsvorwahl, international mit
+45.
Eine Besonderheit ist Italien: Dort gehört die führende Null der Festnetznummern seit Ende der 1990er-Jahre fest zur Rufnummer und wird auch international mitgewählt, etwa +39 06 … für Rom. Für die korrekte Schreibweise einer Auslandsnummer lohnt deshalb immer ein Blick auf die Länderseite.
Quellen
- ITU-T Recommendation E.164: The international public telecommunication numbering plan
- ITU-T Recommendation E.123: Notation for national and international telephone numbers
- ITU-T: List of ITU-T Recommendation E.164 assigned country codes
- Bundesnetzagentur: Nummerierung
- Bundesnetzagentur: Verzeichnisse zu Ortsnetzen
- Bundesnetzagentur: (0)32 Nationale Teilnehmerrufnummern
- Bundesnetzagentur: (0)18 Rufnummern für Virtuelle Private Netze
- Bundesnetzagentur: (0)19 Rufnummern für Online-Dienste
- Bundesnetzagentur: (0)31 Testrufnummern
- Bundesnetzagentur: Betreiberauswahl (010)
- Bundesnetzagentur: (0)900 Rufnummern für Premium-Dienste
- Telekommunikations-Nummerierungsverordnung (TNV)
- § 110 TKG: Preisansage
- § 112 TKG: Preishöchstgrenzen
- teltarif.de: Übersicht Sonderrufnummern in deutschen Netzen