Volkswagen plant offenbar Seat-Aus bis 2029 – Cupra soll übernehmen

Bildquelle: depositphotos.com / sserdarbasak

Volkswagen will die spanische Automarke Seat einem Medienbericht zufolge spätestens Ende 2029 vom Markt nehmen. Der VW-Vorstand habe einen entsprechenden Beschluss gefasst, über den der Volkswagen-Aufsichtsrat am Freitag beraten soll. Seat ist demnach im strategischen Zielbild für 2030 nicht mehr vorgesehen.

Stattdessen will Volkswagen die Schwestermarke Cupra stärken. Das mögliche Seat-Aus ist Teil des umfassenden VW-Sparprogramms, das auch deutsche Werke und Zehntausende Arbeitsplätze betrifft. Volkswagen selbst hat die Pläne bislang nicht bestätigt.

Volkswagen setzt bei Seat offenbar auf Cupra als Nachfolger

Mit dem geplanten Ende von Seat will Volkswagen Kosten senken und Strukturen innerhalb des Konzerns vereinfachen. Eine Fortführung der Marke in ihrer bisherigen Form würde zusätzliche Ressourcen binden. Deshalb soll sich die strategische Entwicklung stärker auf Cupra konzentrieren. Die Verkaufszahlen zeigen bereits, wie stark sich das Kräfteverhältnis verschoben hat. Cupra lieferte 2025 weltweit 328.800 Fahrzeuge aus. Das waren 32,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Seat kam dagegen auf 257.400 Autos und damit auf 17 Prozent weniger. Auch im ersten Halbjahr 2026 lag Cupra vorn. Die Marke erreichte 170.100 Auslieferungen, Seat dagegen 129.600.

Seat im Überblick

Gründung
9. Mai 1950
Sitz
Martorell, Spanien
Branche
Automobilhersteller
Automobilindustrie
Rechtsform
Aktiengesellschaft
Leitung
Markus Haupt (CEO)
Thomas Schmall (Verwaltungsratsvorsitzender)
Mitarbeiterzahl
14.751 (2020)
Umsatz
8,8 Mrd. Euro (2020)

Deutschland gehört für beide Marken zu den wichtigsten Märkten. Im Jahr 2025 wurden hier rund 103.100 Cupra und 53.000 Seat ausgeliefert. Zudem spielt die Elektromobilität eine wichtige Rolle. Cupra verfügt mit Born, Tavascan und Raval bereits über mehrere vollelektrische Modelle. Seat setzt mit Ibiza, Arona, Leon und Leon Sportstourer weiterhin stärker auf Verbrennungsmotoren. Den Leon bietet die Marke allerdings auch als Plug-in-Hybrid an. Nach den bisherigen Planungen sollen bestehende Produkte sowie Vertriebs- und Produktionsstrukturen von Seat wirtschaftlich optimiert und teilweise in Richtung Cupra überführt werden. Der Service für bestehende Seat-Kunden und weitere Verpflichtungen sollen dennoch erhalten bleiben.

“Cupra ist die Zukunft, Seat die Vergangenheit.”

Frank Schwope, Autoexperte der FHM Berlin

Seat-Aus als Teil des großen Volkswagen-Sparprogramms

Seat wurde 1950 gegründet und gehört seit 1986 zum Volkswagen-Konzern. Modelle wie Ibiza, Leon und Toledo machten die spanische Traditionsmarke europaweit bekannt. Sollte der Volkswagen-Aufsichtsrat dem Plan zustimmen, würde damit eine mehr als sieben Jahrzehnte lange Markengeschichte ihrem Ende entgegengehen. Autoexperte Frank Schwope von der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) Berlin überrascht die Entwicklung nicht. Gegenüber “Bild” erklärte er, Gerüchte über ein mögliches Seat-Aus gebe es bereits seit Monaten. Für ihn habe Seat zunehmend an Bedeutung verloren. Allerdings hätte Volkswagen die Marke seiner Ansicht nach auch als günstigen Einstieg in den Konzern positionieren können.

Das mögliche Ende von Seat ist nur ein Teil des tiefgreifenden Konzernumbaus. VW-Chef Oliver Blume will Volkswagen mit einem umfassenden Sparprogramm wettbewerbsfähiger machen. Druck entsteht vor allem durch chinesische Autohersteller, Probleme auf dem chinesischen Markt und US-Zölle. Der Volkswagen-Aufsichtsrat berät am Freitag außerdem über die Zukunft der VW-Werke in Zwickau, Emden und Hannover sowie des Audi-Standorts Neckarsulm. Zusätzlich steht ein möglicher weiterer Stellenabbau von Zehntausenden Arbeitsplätzen weltweit im Raum. Arbeitnehmervertreter und das Land Niedersachsen haben bereits Widerstand gegen mögliche Einschnitte angekündigt.

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