Die deutsche Wirtschaft wächst 2026 deutlich stärker als bislang erwartet. Die fünf führenden Wirtschaftsforschungsinstitute erhöhten ihre Konjunkturprognose für Deutschland 2026 von 0,6 auf 1,3 Prozent. Auch für 2027 rechnen die Ökonomen mit einem höheren Wirtschaftswachstum von 1,1 statt bisher 0,9 Prozent. Das berichten Reuters und das “Handelsblatt”. Hauptgründe sind steigende Staatsausgaben für Infrastruktur und Verteidigung sowie die bislang geringeren wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs. Allerdings gefährden hohe Energiepreise, steigende Zinsen und eine schwache Konsumnachfrage den Aufschwung.
Die neue Gemeinschaftsdiagnose soll am kommenden Donnerstag vorgestellt werden. Beteiligt sind das Ifo-Institut München, das DIW Berlin, das RWI Essen, das IfW Kiel und das IWH Halle. Das Bundeswirtschaftsministerium veröffentlicht anschließend seine eigene Wachstumsprognose.
Wirtschaftswachstum Deutschland: Investitionen und Exporte treiben Konjunktur
Auch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hebt seine Konjunkturprognose für Deutschland 2026 deutlich an. Statt der im Mai erwarteten 0,4 Prozent prognostizieren die Kölner Wirtschaftsforscher inzwischen ein Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent. Für 2027 erwartet das IW einen Zuwachs von rund einem Prozent. Ausschlaggebend ist ein überraschend starkes erstes Halbjahr. Aus Sorge vor Lieferengpässen infolge des Iran-Kriegs stockten internationale Unternehmen ihre Lager auf. Davon profitierten insbesondere deutsche Hersteller von Chemie- und Elektroprodukten. Die vorgezogenen Bestellungen bescherten dem deutschen Export einen vorübergehenden Wachstumsschub.
Deutsches Bruttoinlandsprodukt (BIP) seit 2015
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Zugleich kurbeln staatliche Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung die deutsche Konjunktur an. Das IW erwartet für 2026 ein globales Wirtschaftswachstum von 2,3 Prozent und einen Anstieg des Welthandels um fünf Prozent. Allerdings dürfte die wirtschaftliche Dynamik im zweiten Halbjahr nachlassen, sobald die Sondereffekte im Export auslaufen. IW-Konjunkturchef Michael Grömling warnt deshalb vor überzogenen Erwartungen. Die verbesserten Wachstumszahlen dürften nicht über die anhaltenden strukturellen Probleme der deutschen Wirtschaft hinwegtäuschen.
“Die deutsche Wirtschaft zeigt sich robuster als erwartet. Das ist erfreulich, aber kein Grund für Euphorie. Die aktuellen Zahlen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass Deutschland weiterhin in einer tiefgreifenden Strukturkrise steckt.”
Michael Grömling, Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Konjunkturprognose Deutschland 2026: Inflation und Energiepreise gefährden Aufschwung
Trotz der höheren Wachstumsprognose bleibt die wirtschaftliche Erholung anfällig. Der Iran-Krieg treibt die Energiepreise nach oben und belastet Verbraucher sowie Unternehmen. Das IW erwartet für Deutschland 2026 eine Inflationsrate von gut 2,5 Prozent. Der private Konsum dürfte deshalb lediglich um 0,3 Prozent wachsen. Auch die Bauwirtschaft steckt weiterhin in der Krise. Die Bauinvestitionen sollen um ein Prozent sinken, während die gesamten Anlageinvestitionen lediglich um 0,5 Prozent zulegen. Steigende Finanzierungskosten könnten die Erholung zusätzlich bremsen.

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Auf dem deutschen Arbeitsmarkt rechnet das IW mit rund 200.000 Erwerbstätigen weniger als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote dürfte bei 6,3 Prozent liegen. Gleichzeitig erwarten die Forscher ein staatliches Haushaltsdefizit von rund vier Prozent der Wirtschaftsleistung. Ifo-Ökonom Klaus Wohlrabe sieht trotz der verbesserten Unternehmensstimmung noch keinen breiten Optimismus. Während die Elektroindustrie von der Digitalisierung profitiert, belasten hohe Energiepreise und Zinsen andere Branchen. Für einen nachhaltigen Wirtschaftsaufschwung hält Wohlrabe insbesondere den Abbau bürokratischer Hürden, schnellere Genehmigungsverfahren und weitere wirtschaftspolitische Reformen für entscheidend.