Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im Oktober 2026 zum sechsten Mal in Folge gestiegen und hat mit 90,2 Punkten den höchsten Stand seit Mai 2023 erreicht. Im September lag das Konjunkturbarometer noch bei 89,9 Punkten. Die deutsche Wirtschaft zeigt damit weitere Anzeichen einer Erholung. Vor allem in der Industrie und im Baugewerbe hellt sich die Stimmung auf. Allerdings bremsen hohe Energiepreise, schwache private Investitionen und die Inflation einen nachhaltigen Aufschwung. Die Bundesregierung erwartet für 2026 ein Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent, das Ifo-Institut rechnet mit 1,4 Prozent.
“Die Konjunkturbelebung setzt sich fort”, erklärte Ifo-Präsident Clemens Fuest am Montag. Die Ergebnisse der Befragung unter rund 9.000 Unternehmen übertrafen die Erwartungen der von Reuters befragten Ökonomen. Diese hatten mit 90,0 Punkten gerechnet. Während die Betriebe ihre aktuelle Geschäftslage etwas schlechter einschätzten, blicken sie deutlich zuversichtlicher auf die kommenden Monate. Die Geschäftserwartungen erreichten den höchsten Stand seit mehr als viereinhalb Jahren.
Ifo-Index Oktober 2026: Industrie sorgt für Aufschwung
Besonders deutlich verbesserte sich das Geschäftsklima im verarbeitenden Gewerbe. Die Industrieunternehmen bewerteten sowohl ihre aktuelle Lage als auch ihre Zukunftsaussichten spürbar positiver. Beide Indikatoren lagen erstmals seit mehr als drei Jahren wieder im Plus. Zudem verzeichneten die Betriebe steigende Neuaufträge und wollen ihre Produktion ausweiten. Vor allem die Elektroindustrie und der Maschinenbau stützen die Konjunkturerholung. Energieintensive Branchen stehen dagegen weiterhin unter Druck. Im Baugewerbe nahm die Zufriedenheit ebenfalls zu. Die Dienstleister beurteilten ihre laufenden Geschäfte hingegen schlechter, während sich ihre Erwartungen verbesserten. Besonders die IT-Dienstleister entwickelten sich positiv.
Ifo-Geschäftsklimaindex seit 2015

Im Handel blieb der Ifo-Index unverändert. Dabei bewerteten die Unternehmen ihre aktuelle Lage skeptischer, zeigten sich hinsichtlich ihrer Geschäftsaussichten jedoch optimistischer. Der Großhandel entwickelte sich besser als der Einzelhandel. Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe rechnet nach einem schwachen Sommer mit einer Belebung zum Jahresende. Für das dritte Quartal 2026 erwartet er lediglich eine Stagnation der Wirtschaftsleistung. Die aktuellen Daten sprechen seiner Einschätzung nach jedoch für ein stärkeres Schlussquartal. Zusätzlichen Rückenwind erhält die Industrie durch höhere staatliche Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung. Nach Einschätzung von VP-Bank-Chefökonom Thomas Gitzel zeigen sich inzwischen erste Auswirkungen des Infrastrukturprogramms auf die Auftragslage.
“Die deutsche Wirtschaft fasst zunehmend Tritt – sie arbeitet sich kontinuierlich aus dem Tal heraus.”
Klaus Wohlrabe, Konjunkturexperte des Ifo-Instituts
Deutsche Wirtschaft: Inflation bremst Wachstum
Trotz der positiven Entwicklung bleibt die Konjunkturerholung anfällig. Nach einem Wirtschaftswachstum von lediglich 0,2 Prozent im Jahr 2025 und zwei vorherigen Rezessionsjahren sind die Aussichten zwar günstiger. Viele Ökonomen sehen aber noch keinen selbsttragenden Aufschwung. Vor allem die schwachen privaten Investitionen verhindern bislang eine kräftigere Belebung. Hinzu kommen steigende Energiekosten, internationale Konflikte, Unsicherheiten durch die US-Zollpolitik und zunehmender Wettbewerbsdruck aus China.

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Auch die Inflation belastet die deutsche Wirtschaft. Führende Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen für 2027 mit einer Teuerungsrate von 3,2 Prozent. Damit läge der Preisauftrieb deutlich über dem Zwei-Prozent-Ziel der Europäischen Zentralbank. Wohlrabe hält deshalb eine Reaktion der EZB für möglich. Die hohen Lebenshaltungskosten schränken weiterhin die Kaufkraft der Verbraucher ein. Der private Konsum dürfte nach Einschätzung des Ifo-Experten vorerst kein entscheidender Wachstumstreiber werden.