Bilanz der Olympischen Winterspiele 2026: Deutschland überzeugt nur im Eiskanal

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Die Olympischen Momente auf Schnee und Eis sind um ein weiteres Kapitel reicher. Am Wochenende gingen die Winterspiele in Mailand und Cortina d’Ampezzo mit der großen Abschlussfeier in der Oper von Verona zu Ende. Neue Stars sind geboren, Favoriten sind gestrauchelt und einige Athleten konnten sich sogar einen Legendenstatus erkämpfen.

Die deutsche Bilanz fällt hingegen gemischt aus. Einerseits gab es eine gute Medaillenausbeute, die bei näherer Betrachtung jedoch Fragen aufwirft. Was bleibt von den Olympischen Winterspielen 2026 in Italien? Unsere große Bilanz rund um die Spiele von Mailand und Cortina d´Ampezzo.

Skispringer Philipp Raimund gewinnt überraschend Gold

Italien hat der Sportwelt zwei Wochen lang Festspiele präsentiert und sich als hervorragender Gastgeber erwiesen. Auch sportlich spielten die Italiener bei diesen Olympischen Winterspielen eine überraschend starke Rolle. Bereits am ersten Tag holte Francesca Lollobrigida Gold im Eisschnelllauf über 3.000 Meter und stellte dabei einen olympischen Rekord auf. Am Ende sollte die Squadra Azzurra auf zehn Goldmedaillen kommen. Dies ist ein neuer Rekord und doppelt so viel wie 2006 in Turin. Neben Lollobrigida avancierte Federica Brignone zu Italiens Star-Athletin. Die 35-Jährige gewann ihre ersten beiden Goldmedaillen überhaupt bei Olympia im Skifahren.

Olympia 2026: Erfolgreichste Athleten

Platz
Name
Nation
Sportart
Medaillen Gold-Silber-Bronze
Medaillen gesamt
1
Johannes Høsflot Klæbo
Norwegen
Skilanglauf
6-0-0
6
2
Julia Simon
Frankreich
Biathlon
3-1-0
4
3
Quentin Fillon Maillet
Frankreich
Biathlon
3-0-1
4
3
Jens van ’t Wout
Niederlande
Shorttrack
3-0-1
4
5
Jens Lurås Oftebro
Norwegen
Nordische Kombination
3-0-0
3
5
Franjo von Allmen
Schweiz
Ski Alpin
3-0-0
3
7
Lou Jeanmonnot
Frankreich
Biathlon
2-1-1
4
8
Anna Odine Strøm
Norwegen
Skispringen
2-1-0
3
8
Éric Perrot
Frankreich
Biathlon
2-1-0
3
8
Frida Karlsson
Schweden
Skilanglauf
2-1-0
3
8
Jordan Stolz
USA
Eisschnelllauf
2-1-0
3

Für Deutschland hätten die Winterspiele nicht besser beginnen können. Der Skispringer Philipp Raimund, der zuvor noch kein Weltcup-Springen gewinnen konnte, siegte völlig überraschend auf der Normalschanze in Predazzo. Am Ende sollte zu dieser Goldmedaille am ersten Wettkampftag jedoch nur noch eine zweite hinzukommen, die außerhalb des Eiskanals gewonnen wurde. Dennoch eine starke Einzelleistung von Olympiasieger Philipp Raimund, der über die gesamten zwei Wochen hinweg für den überraschendsten Moment aller Athletinnen und Athleten im Team Deutschland sorgte.

Abfahrt: Lindsey Vonn zieht sich Unterschenkelbruch zu

Bereits früher am Samstagnachmittag holte Emma Aicher das erste deutsche Edelmetall bei Olympia 2026. Die Allrounderin auf Skiern fuhr in der Abfahrt auf den zweiten Platz. Dennoch steht Aicher für das Bild, das “Team D” bei den Olympischen Winterspielen Olympia in Italien abgab. Mit sehr viel Pech und einem Abstand von 0,04 Sekunden rauschte sie an der Goldmedaille vorbei. Gleiches gilt für Tage später durchgeführte Team-Kombination, in der sie gemeinsam mit Kira Weidle um 0,05 Sekunden geschlagen wurden und Silber gewannen. Eine Enttäuschung erlebte auch DSV-Kollegin Lena Dürr im Slalom. Nach dem ersten Lauf lag sie auf dem zweiten Rang, schied dann jedoch nach einem Einfädler mit dem Ski an der ersten Stange aus dem Wettkampf aus.

Medaillenspiegel Olympische Spiele 2026

Land
Gold
Silber
Bronze
Gesamt
Norwegen
18
12
11
41
USA
12
12
9
33
Niederlande
10
7
3
20
Deutschland
8
10
8
26
Frankreich
8
9
6
23
Schweden
8
6
4
18
Schweiz
6
9
8
23
Österreich
5
8
5
18
Japan
5
7
12
24
Kanada
5
7
9
21

Eine tragische Geschichte dieser Winterspiele schrieb Lindsey Vonn bereits am ersten Wettkampftag. Die 41-jährige US-Amerikanerin startete in Cortina d’Ampezzo mit einem Kreuzbandriss in die Abfahrt, stürzte jedoch früh im Rennen schwer. Anstatt die erhoffte Medaille zu gewinnen, wurde sie mit einem Unterschenkelbruch per Helikopter ins Krankenhaus transportiert. Ähnlich erging es einige Tage später ihrem Landsmann Ilia Malinin. Der Eiskunstläufer ist ein Überflieger in seiner Szene und wollte in Mailand Geschichte schreiben. Zahlreiche ungeahnte Patzer in der Kür schockten jedoch die gesamte Sportwelt, sodass Malinin ohne Edelmetall blieb.

19 von 26 olympischen Medaillen holt Deutschland im Eiskanal

Am zweiten Wettkampftag begann dann das deutsche Märchen im Eiskanal von Cortina d’Ampezzo. In den drei Disziplinen Bobfahren, Skeleton und Rennrodeln holte “Team D” unglaubliche 19 seiner am Ende 26 Medaillen. Den Anfang machten die Wettkämpfe der Rodler. Max Langenhan und Julia Taubitz gewannen die Einzelwettbewerbe und holten gemeinsam mit Tobias Wendl und Tobias Arlt sowie Dajana Eitberger und Magdalena Matschina später auch noch Gold in der Staffel. Lediglich Athlet Felix Loch durfte auf deutscher Seite unzufrieden sein, da er im Eiskanal patzte und ohne Medaille bei den Olympischen Winterspielen 2026 blieb.

Top 10-Nationen bei
Olympischen Winterspielen

Platz
Nation
Medaillen Gold-Silber-Bronze
Medaillen gesamt
1
Deutschland
171-164-126
461
2
Norwegen
166-146-135
447
4
USA
126-133-104
363
5
Kanada
82-79-85
246
3
Sowjetunion
78-57-59
194
6
Österreich
76-97-96
269
7
Schweden
73-57-65
195
8
Schweiz
69-56-66
191
9
Niederlande
63-56-48
167
10
Italien
52-49-70
171

Im Skeleton holten die deutschen Athleten jeweils Silber und Bronze bei den Damen und Herren sowie Bronze in der Staffel. Noch erfolgreicher als die Rodler und Skeletonis waren die Bobfahrer. Zunächst verpasste Laura Nolte Gold im Mono nur um 0,04 Sekunden. Der Sieg ging überraschend an die 41-jährige Elana Meyers Taylor. Im Zweierbob holte sich Nolte dann Gold, was bei den Herren auch Johannes Lochner gelang. “Hansi” Lochner sollte bei seinem olympischen Abschied jedoch noch ein zweites Mal oben auf dem Treppchen stehen, nachdem er Francesco Friedrich im Viererbob auf den zweiten Platz verweisen konnte. Deutsche Dominanz im Eiskanal.

Langläufer Johannes Klaebo stellt neuen olympischen Rekord auf

Zu den großen internationalen Gesichtern dieser Winterspiele gehören sicherlich Jutta Leerdam und Jordan Stolz im Eisschnelllauf, die Chinesin Eileen Gu im Freestyle-Skiing sowie Johannes Hösflot Klaebo. Insbesondere der Name Klaebo wird für immer mit den Olympischen Spielen von Mailand und Cortina d’Ampezzo in Verbindung bleiben. Der Norweger gewann sechsmal Gold bei sechs Einsätzen. Dies ist ein neuer olympischer Rekord. Doch auch die deutschen Sportler blieben im Skilanglauf nicht ganz ohne Medaille. Bronze im Teamsprint der Frauen ging an Laura Gimmler und Coletta Rydzek vom “Team D”.

Top-Medaillengewinner bei Winterspielen

Platz
Name
Nation
Sportart
Medaillen Gold-Silber-Bronze
Medaillen gesamt
1
Johannes Høsflot Klæbo
Norwegen
Skilanglauf
11-1-1
13
2
Marit Bjørgen
Norwegen
Skilanglauf
8-4-3
15
3
Ole Einar Bjørndalen
Norwegen
Biathlon
8-4-2
14
4
Bjørn Dæhlie
Norwegen
Skilanglauf
8-4-0
12
5
Tobias Arlt
Deutschland
Rennrodeln
7-0-1
8
5
Tobias Wendl
Deutschland
Rennrodeln
7-0-1
8
7
Ireen Wüst
Niederlande
Eisschnelllauf
6-5-2
13
8
Ljubow Jegorowa
Russland
Skilanglauf
6-3-0
9
9
Martin Fourcade
Frankreich
Biathlon
6-1-0
7
10
Wiktor Ahn
Südkorea/Russland
Shorttrack
6-0-2
8
11
Natalie Geisenberger
Deutschland
Rennrodeln
6-0-1
7
12
Lidija Skoblikowa
Sowjetunion
Eisschnelllauf
6-0-0
6

Während die klassischen Sportarten wie Ski Langlauf oder die Nordische Kombination, bei denen Deutschland bei diesen Olympischen Spielen zum ersten Mal seit Nagano 1998 ganz ohne Medaille blieb, in den Hintergrund geraten, rücken neue Sportarten in den Vordergrund. Erstmals dabei war das Skibergsteigen, welches Spanien seine einzige Goldmedaille bei Olympia in Mailand und Cortina bescherte. Auch die Snowboard-Disziplinen werden immer interessanter. Neben Enttäuschungen und Stürzen gab es für Deutschland bei Olympia 2026 lediglich den vierten Platz von Annika Morgan im Slopestyle zu bejubeln.

Biathleten mit schlechtestem Olympia-Ergebnis seit 50 Jahren

Eine überraschende Goldmedaille für Deutschland gab es hingegen in den Disziplinen des Freestyle Ski. Während “Team D” in den meisten der 15 Disziplinen gar nicht erst am Start war, holte Daniela Meier im Skicross die Goldmedaille. Unglücklicher ging es in derselben Disziplin bei den Herren zu. Tim Hronek wurde durch ein unsportliches Verhalten des Schweizers Ryan Regez vom Finale abgehalten. In der gesamten Olympiabilanz für “Team D” bleiben zwei Medaillen, die bisher unerwähnt sind. So holten Minerva Hase und Nikita Volodin Bronze im Paarlauf, wobei sie vor der Kür noch auf Goldkurs lagen.

Minerva Hase und Nikita Volodin mit der Bronzemedaille
Bildquelle: depositphotos.com / actionsports

Ebenfalls Bronze holten sich Justus Strelow, Philipp Nawrath, Vanessa Vogt und Franziska Preuß im Biathlon in der 4-mal-6-km-Mixed-Staffel. Diese Medaille sollte jedoch die einzige für Deutschland im Biathlon bleiben, was die Gesamtbilanz der Spiele deutlich verschlechtert. Mehrmals scheiterten die Deutschen, wie Philipp Horn oder Vanessa Vogt, nur knapp. Franziska Preuß, die ihre Karriere bei den Spielen beendete, kann ebenfalls nicht zufrieden sein. Ihr flatterten mehrfach die Nerven, wodurch sie am Ende keine Einzelmedaille gewinnen konnte. Es ist das schlechteste Ergebnis der deutschen Biathletinnen und Biathleten seit 50 Jahren.

“Ich würde nicht den Biathlon-Untergang vorhersagen, das wäre nicht passend. Es war genau eine Medaille weniger als vor vier Jahren. Da war es auch schon nicht so toll.”

Biathlon-Sportdirektor Felix Bitterling

Eishockey-Finals: USA besiegen Kanada bei Frauen und Männern

Während Deutschland in seinen Paradedisziplinen, wie dem Biathlon, dem Skispringen oder der Nordischen Kombination, den Anschluss zur Weltspitze völlig verloren hat, konnten auch in den Mannschaftssportarten nur wenige Fortschritte erzielt werden. Zwar besiegten die deutschen Curler den Olympiasieger Schweden, schieden jedoch wie die Damen in der Vorrunde aus. Im Eishockey waren die Stars der NHL anwesend. Mit Fahnenträger Leon Draisaitl gab es jedoch im Viertelfinale ein Debakel beim 2:6 gegen die Slowakei und das Aus bei Olympia. Auch bei den Frauen war im Viertelfinale Schluss, wobei dies ein Erfolg für die Damen war.

Eishockey-Finale Frauen USA-Kanada
Bildquelle: depositphotos.com / actionsports

Den Abschluss beider Eishockey-Turniere bildeten epische Finals zwischen den USA und Kanada. Dabei setzten sich die Teams aus den USA beide Male gegen ihre nördlichen Rivalen durch. Ein krönender Abschluss für die Sportwelt und die Gastgeber aus Italien, die rundum gelungene Olympische Spiele ausgerichtet haben. Im deutschen Lager beginnt hingegen die Zeit der Aufarbeitung. Die Leistungen in den Schneedisziplinen waren zu schwach, obwohl die Medaillenausbeute mit 26 Mal Edelmetall am Ende voll im Soll liegt. Dies allerdings nur dank der Weltklasse während der Wettkämpfe im Eiskanal von Cortina d’Ampezzo.

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