Das Bornavirus beim Pferd ist selten, aber im Ernstfall dramatisch. Die Infektion mit dem Borna Disease Virus (BoDV-1) verursacht eine nicht-eitrige Entzündung von Gehirn sowie Rückenmark und endet bei betroffenen Pferden meist tödlich. Für Pferdehalter zählt vor allem eines: Das Bornavirus wird nach aktuellem Wissensstand nicht zuverlässig von Pferd zu Pferd übertragen. Erkrankte Tiere scheiden das Virus in der Regel nicht aus.
Der wichtigste Risikofaktor ist vielmehr das natürliche Reservoir, die Feldspitzmaus. Sie kann das Bornavirus über Kot, Urin oder Speichel in Stall und Futterumgebung eintragen. Da es keine Impfung und keine gesicherte ursächliche Therapie gibt, ist schnelles Handeln bei ersten neurologischen Auffälligkeiten entscheidend – auch, um andere Ursachen mit ähnlichen Symptomen wie bei Bornaviren rechtzeitig abzugrenzen.
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Das Bornavirus beim Pferd tritt regional gehäuft auf, insbesondere in bestimmten Gebieten in Deutschland sowie in Teilen Österreichs und der Schweiz. Das hängt mit der Feldspitzmaus zusammen. Sie ist standorttreu, wodurch lokale Häufungen entstehen können, ohne dass daraus automatisch ein “Stall-zu-Stall-Ausbruch” wird. Wie genau das Bornavirus vom Reservoir ins Pferd gelangt, ist nicht vollständig geklärt.
Die „hitzige Kopfkrankheit“ der Pferde, verursacht durch das Bornavirus, wurde erstmals 1813 beschrieben. Ihren Namen bekam die Erkrankung, nachdem 1894 in der Stadt Borna (Sachsen) ein kompletter Stall mit Kavalleriepferden daran erkrankte.
Als wahrscheinlich gelten direkte oder indirekte Kontakte mit Ausscheidungen der Feldspitzmaus, etwa über verunreinigtes Heu, Stroh, Wasser oder Staub. Der Eintritt der Bornaviren kann über Schleimhäute im Kopfbereich oder kleine Hautverletzungen der Tiere erfolgen. Die Inkubationszeit beträgt häufig ein bis drei Monate, kann aber je nach Exposition variieren. Mehrere erkrankte Pferde im selben Bestand sind möglich, meist durch gemeinsame Exposition, nicht durch gegenseitige Ansteckung.
Die Symptome von Bornavirus beim Pferd beginnen oft unspezifisch. Fieber, Mattigkeit, Teilnahmslosigkeit und auffällige Verhaltensänderungen. Danach stehen neurologische Störungen im Vordergrund. Typisch sind:
- Ungewöhnliches Fressverhalten (Leerkauen), reduzierte Zungenbeweglichkeit
- Schluckstörungen, veränderte Sensibilität
- Ataxie, Taumeln, Koordinationsprobleme, Festliegen
- Drangwandern, Kreislaufen, Kopfpressen, Kopfschiefhaltung
- Krampfanfälle, Koma
Weil diese Anzeichen auch bei anderen Krankheiten auftreten können, ist die Diagnostik zentral. Der sichere Nachweis basiert auf direktem Erregernachweis (z. B. PCR aus Liquor), wobei Tests nicht immer positiv ausfallen. Antikörpertests können Hinweise geben, sind allein aber nicht beweisend. Häufig erfolgt die definitive Bestätigung erst über Gewebeuntersuchungen. Eine spezifische Behandlung gegen das Bornavirus beim Pferd existiert nicht. In der Verdachtsphase wird symptomatisch stabilisiert (z. B. Entzündungsmanagement, Flüssigkeit, Schutz vor Verletzungen). Bei bestätigter BoDV-1-Infektion ist die Prognose äußerst schlecht. Viele Pferde sterben innerhalb weniger Wochen.