Der Gewinn des Autobauers Volkswagen ist 2025 dramatisch eingebrochen. Der Nettogewinn halbierte sich nahezu auf 6,9 Milliarden Euro, das operative Ergebnis sank auf 8,9 Milliarden Euro, und die Marge fiel auf nur noch 2,8 Prozent. Dies ist so niedrig, wie seit der Dieselkrise 2016 nicht mehr. Hauptgründe sind milliardenschwere US-Zölle, massive Probleme bei Porsche sowie ein anhaltend schwaches Geschäft in China.
Während der Umsatz mit rund 322 Milliarden Euro nahezu stabil blieb, leidet Europas größter Autobauer unter einer akuten Profitabilitätskrise. Als Reaktion verschärft Volkswagen seinen Sparkurs drastisch und plant nun den Abbau von insgesamt 50.000 Stellen in Deutschland bis 2030.
Inhaltsverzeichnis
Gewinn-Einbruch: Porsche vom Ertragsbringer zum Sorgenkind
Die Zahlen markieren für Volkswagen das schwächste Ergebnis seit dem Höhepunkt des Dieselskandals. Im Vergleich zum Vorjahr fiel der Gewinn nach Steuern um 44 Prozent von 12,4 auf 6,9 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis halbierte sich nahezu auf 8,9 Milliarden Euro. Besonders alarmierend ist die operative Marge von lediglich 2,8 Prozent. Bei einem Fahrzeugpreis von 40.000 Euro bleiben damit rechnerisch nur rund 1.120 Euro operativer Gewinn übrig. Ein gefährlich geringer Spielraum für Investitionen oder Preiskämpfe. Der Umsatz sank lediglich um 0,8 Prozent auf knapp 322 Milliarden Euro. Das zeigt: Volkswagen verkauft weiterhin Millionen Fahrzeuge, verdient jedoch deutlich weniger daran. Weltweit wurden 8,98 Millionen Autos ausgeliefert, 0,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Während Europa (+5 Prozent) und Südamerika (+10 Prozent) zulegten, brachen die Verkäufe in Nordamerika (-12 Prozent) und China (-6 Prozent) ein.
Konzernabschluss Volkswagen AG 2025
| 2025 | 2024 | |
| Umsatzerlöse | 321.913 | 324.656 |
| Bruttoergebnis | 51.243 | 59.472 |
| Operatives Ergebnis | 8.868 | 19.060 |
| Finanzergebnis | 439 | -2.255 |
| Ergebnis vor Steuern | 9.307 | 16.806 |
| Ergebnis nach Steuern | 6.904 | 12.394 |
Besonders dramatisch entwickelte sich die Lage bei Porsche. Das operative Ergebnis der Sportwagen-Tochter stürzte von 5,3 Milliarden Euro auf nur noch 90 Millionen Euro ab. Inklusive Finanzdienstleistungen erzielte Porsche 413 Millionen Euro – nach 5,6 Milliarden Euro im Vorjahr. Der Strategiewechsel bei der Elektromobilität, Abschreibungen in Milliardenhöhe sowie Absatzprobleme in China belasten massiv. Allein der Umbau bei Porsche summiert sich auf rund fünf Milliarden Euro. Auch die Markengruppe Progressive mit Audi, Lamborghini, Bentley und Ducati verzeichnete einen Rückgang des operativen Gewinns um 13,6 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro. Im Volumensegment mit den Marken Volkswagen, Skoda und Seat/Cupra hielt sich der Gewinn mit 6,8 Milliarden Euro dagegen vergleichsweise stabil.
“Nach drei intensiven Jahren der Neuausrichtung der Volkswagen Group sehen wir messbare Fortschritte. Gleichzeitig bewegen wir uns in einem komplett veränderten Umfeld. Deshalb werden wir nicht nachlassen, den eingeschlagenen Weg konsequent zu verfolgen. Umso mehr geht es jetzt in die nächste Phase der Transformation.”
Oliver Blume, CEO Volkswagen Group
Volkswagen belasten US-Zölle, Wettbewerb und Strukturwandel
Als zentrale Belastungsfaktoren nennt Volkswagen die US-Zölle, die allein rund drei Milliarden Euro kosten, sowie geopolitische Spannungen und eine hohe Wettbewerbsintensität. Bereinigt um Sondereffekte lag die operative Rendite bei 4,6 Prozent. Ohne die Zollbelastungen wären es 5,5 Prozent gewesen. Finanzvorstand Arno Antlitz betonte jedoch, dieses Niveau reiche langfristig nicht aus. Im dritten Quartal war der Konzern zeitweise sogar in die roten Zahlen gerutscht und hatte mehr als eine Milliarde Euro Verlust verbucht. Erst im Schlussquartal stabilisierte sich das Geschäft wieder etwas. Der Konzern reagiert nun mit einem verschärften Sparkurs. Vorstandschef Oliver Blume kündigte in einem Brief an die Aktionäre an, dass bis 2030 rund 50.000 Stellen im Volkswagen-Konzern in Deutschland abgebaut werden sollen. Ursprünglich waren 35.000 Stellen geplant. Ende 2024 beschäftigte der Konzern weltweit noch 662.900 Mitarbeiter, 2,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Dividende wird um 17 Prozent auf 5,26 Euro je Vorzugsaktie gekürzt.
Die Volkswagen AG im Überblick
Hans Dieter Pötsch (Aufsichtsratsvorsitzender) |
|
Auch das Management spürt die Krise. Die Gesamtvergütung von Oliver Blume sank von 10,35 auf 7,42 Millionen Euro. Der Porsche-Bonus entfiel komplett. Blumes Vorgänger Herbert Diess erhält aufgrund seines bis Oktober 2025 laufenden Vertrags weiterhin mehr als neun Millionen Euro. Trotz der Gewinnkrise setzt Volkswagen auf Wachstum im laufenden Jahr. Für 2026 wird ein Umsatzplus von bis zu drei Prozent erwartet. Die operative Rendite soll zwischen 4,0 und 5,5 Prozent liegen. Der Anteil vollelektrischer Fahrzeuge am Auftragsbestand stieg auf 22 Prozent, der Absatz von E-Autos legte um 55 Prozent zu, drückt jedoch weiterhin auf die Marge. Branchenexperten sehen bei VW vor allem strukturelle Probleme. So fehlten Modelle mit ausreichenden Deckungsbeiträgen. DIW-Ökonom Martin Gornig verweist auf einen verschlafenen Strukturwandel in der gesamten Autoindustrie. Für Volkswagen und Porsche geht es damit nicht nur um eine konjunkturelle Delle, sondern um eine grundlegende Neuausrichtung im globalen Wettbewerb.