Verdacht auf Geldwäsche: Erneute Razzia bei der Deutschen Bank

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Die Deutsche Bank steht erneut unter massivem Druck. Wegen des Verdachts der Geldwäsche haben Staatsanwaltschaft und Bundeskriminalamt (BKA) Geschäftsräume des größten deutschen Geldinstituts in Frankfurt am Main und Berlin durchsucht. Beschuldigt werden bislang unbekannte Verantwortliche und Mitarbeiter der Deutschen Bank. Die Ermittlungen betreffen frühere Geschäftsbeziehungen zu ausländischen Gesellschaften, die man nach Einschätzung der Justiz möglicherweise zur Geldwäsche genutzt hat. Besonders brisant ist der Zeitpunkt der Razzia. Sie erfolgte nur einen Tag vor der geplanten Bilanzpressekonferenz des DAX-Konzerns für das Geschäftsjahr 2025.

Nach Angaben der Frankfurter Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsstrafsachen wurden die Durchsuchungen am Mittwochmorgen vollzogen. Rund 30 Ermittlerinnen und Ermittler des BKA betraten demnach die Zentrale der Deutschen Bank in der Frankfurter Innenstadt sowie einen weiteren Standort in Berlin. Ziel der Maßnahme sei es gewesen, Beweismittel im Zusammenhang mit möglichen Verstößen gegen das Geldwäschegesetz zu sichern.

Deutsche Bank: Geldwäsche-Bezug zu Roman Abramowitsch

Im Zentrum der Ermittlungen stehen frühere Geschäftsbeziehungen der Deutschen Bank zu ausländischen Gesellschaften. Diese stehen ihrerseits im Verdacht, zum Zweck der Geldwäsche eingesetzt worden zu sein. Zu konkreten Transaktionen, zu deren Umfang oder zu den betroffenen Unternehmen äußerte sich die Staatsanwaltschaft bislang nicht. Auch zu möglichen Schadenssummen oder zur genauen zeitlichen Einordnung der Vorgänge machte die Behörde keine Angaben. Ein Sprecher der Deutschen Bank bestätigte die Durchsuchungen offiziell. Man arbeite “vollumfänglich mit der Staatsanwaltschaft Frankfurt zusammen”, hieß es. Weitere Details wollte das Geldinstitut nicht kommentieren.

Roman Abramowitsch
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An den Finanzmärkten sorgte die Nachricht dennoch für Unruhe. Die Aktie der Deutschen Bank verlor im Tagesverlauf rund drei Prozent an Wert. Nach Recherchen mehrerer Medien stehen die aktuellen Ermittlungen möglicherweise im Zusammenhang mit Unternehmen, die dem russischen Oligarchen Roman Abramowitsch zugerechnet werden. Abramowitsch steht seit März 2022 auf der Sanktionsliste der Europäischen Union. Nach Medienberichten soll die Deutsche Bank eine oder mehrere Geldwäsche-Verdachtsmeldungen zu Firmen des Oligarchen verspätet an die zuständigen Behörden abgegeben haben.

“Wir bestätigen, dass in den Geschäftsräumen der Deutschen Bank derzeit eine Maßnahme der Staatsanwaltschaft Frankfurt durchgeführt wird. Die Bank arbeitet vollumfänglich mit der Staatsanwaltschaft zusammen. Wir bitten um Verständnis, dass wir uns darüber hinaus nicht äußern.”

Stellungnahme der Deutschen Bank

Deutsche Bank nicht zum ersten Mal unter Geldwäsche-Verdacht

Banken sind gesetzlich verpflichtet, verdächtige Transaktionen unverzüglich zu melden. Unterbleiben solche Meldungen oder erfolgen sie zu spät, drohen empfindliche Bußgelder. In dem aktuellen Verfahren geht es offenbar sowohl um Zahlungen, die über eine russische Korrespondenzbank an die Deutsche Bank geleitet wurden, als auch um frühere direkte Geschäftsbeziehungen mit Unternehmen aus dem Umfeld Roman Abbafinramowitschs. Seine Anwälte reagierten auf entsprechende Anfragen zunächst nicht. Für die Deutsche Bank ist der neue Geldwäsche-Verdacht besonders heikel, da das Institut in der Vergangenheit bereits mehrfach wegen Defiziten in der Geldwäscheprävention auffällig geworden war.

Die Deutsche Bank im Überblick

Sitz
Frankfurt am Main, Deutschland
Rechtsform
Aktiengesellschaft
Gründung
1. Januar 1957 (Neugründung)
Bilanzsumme
1.387 Mrd. Euro (2024)
Einlagen
666 Mrd. Euro (2024)
Kundenkredite
485 Mrd. Euro (2024)
Mitarbeiter
89.753 (2024)
Geschäftsstellen
1.307 (2024)
Vorstandvorsitzender
Christian Sewing (seit 2018)

Ende April 2022 durchsuchten Ermittler von Staatsanwaltschaft, BKA und der Finanzaufsicht BaFin die Frankfurter Zentrale. In der Folge setzte die BaFin zwischen 2018 und Ende 2024 einen Sonderbeauftragten ein, der die Fortschritte der Deutschen Bank im Kampf gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung überwachen sollte. Zudem musste die Deutsche Bank in den vergangenen Jahren mehrfach Bußgelder wegen verspäteter Geldwäsche-Verdachtsmeldungen zahlen. Die aktuellen Ermittlungen gelten auch als erste größere Bewährungsprobe für Simone Kämpfer, die neue Chefjustiziarin der Deutschen Bank, die erst kürzlich ihr Amt angetreten hat. Parallel dazu hatte der Konzern seine Abteilung zur Bekämpfung von Finanzkriminalität umgebaut und erneut den Konzern-Geldwäschebeauftragten ausgetauscht. Ein Posten, der innerhalb des Hauses seit Jahren als besonders sensibel gilt.

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