Sport auf Schnee und Eis übt seit jeher eine besondere Faszination aus. Was am Beispiel des Biathlons zunächst eine aus der Not heraus geborene Jagd nach Nahrung war, ist heute ein spannender Wettkampf um Medaillen. Seit 1924 findet der Wintersport alle vier Jahre im Rahmen der Olympischen Spiele weltweites Interesse, wenn annähernd 3.000 Sportlerinnen und Sportler zu den Wettbewerben an den Sprungschanzen, Eiskanälen und Loipen zusammenkommen.
Die Olympischen Winterspiele zählen zu den größten sportlichen Höhepunkten der Welt. Im Laufe der Geschichte haben viele Sportstätten und Sportlerinnen und Sportler Berühmtheit erlangt. Deutschland ist noch immer das erfolgreichste Wintersportland, wofür ein Blick auf den ewigen Medaillenspiegel reicht. Bei den Einzelsportlern stechen hingegen die Norweger hervor, die alle über den Sport hinaus einen Prominenz-Status erlangt haben. Olympische Winterspiele erzählen die Geschichte von sportlichen Höchstleistungen bei klirrender Kälte.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Start als Beiwerk von Olympischen Sommerspielen
- 2 Olympische Winterspiele: Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg
- 3 Olympische Winterspiele im Wandel zur Perfektion
- 4 Olympische Gesichter des Wintersports
- 5 Winterspiele: Deutschlands erster Platz im ewigen Medaillenspiegel
- 6 Geschichtsträchtige Momente bei Olympischen Winterspielen
Start als Beiwerk von Olympischen Sommerspielen
Bereits seit Beginn des 20. Jahrhunderts sind Wintersportarten fester Bestandteil bei Olympia. So wurde beispielsweise bereits 1908 bei den Sommerspielen in London ein Wettbewerb im Eiskunstlaufen ausgetragen. Der Gründer des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) war jedoch gegen eigene Winterspiele, da es bereits die Nordischen Spiele seines Freundes Viktor Balck gab und er keine Konkurrenz zu diesen aufbauen wollte. Nach der Ära Pierre de Coubertins fanden 1924 schließlich die ersten Olympischen Winterspiele statt, die im Zusammenhang mit den Sommerspielen an den französischen Verband vergeben wurden.
Olympische Winterspiele seit 2002
Die Organisatoren von Paris 1924 richteten die Winterspiele mehr oder weniger als Beiwerk aus. Das erste Olympische Dorf wurde dafür im Alpenort Chamonix errichtet. Im Gegensatz zu den frühen Sommerspielen waren die Olympischen Winterspiele von Beginn an recht professionell organisiert. 281 Männer und 13 Frauen aus 16 Ländern nahmen teil. Das Wettkampfprogramm umfasste neun Sportarten auf Eis und Schnee, die bis heute fester Bestandteil der Winterspiele sind. Hierzu gehörten Disziplinen im Bobsport, Curling, Eishockey, Eiskunstlauf, Eisschnelllauf, Skilanglauf, Skispringen, der Nordische Kombination und der Militärpatrouille, dem Vorgänger des Biathlons.
Es folgten die Spiele von 1928 im Schweizer Urlaubsort St. Moritz. Sie wurden erstmals losgelöst von den im gleichen Jahr in Amsterdam stattfindenden Sommerspielen ausgetragen. In den Schweizer Alpen gehörte Skijöring zum Programm. Dabei werden Skifahrer von Rennpferden gezogen. 1932 verließen die Spiele erstmals die Alpen und fanden im Nordosten der USA in Lake Placid statt. Im Vergleich zu St. Moritz vier Jahre zuvor ging die Teilnehmerzahl von 464 auf 252 Sportler zurück. 1936 ging es wieder in die Alpen zurück, denn die bayerische Stadt Garmisch-Partenkirchen war Austragungsort. Es waren die bis heute letzten Olympischen Winterspiele auf deutschem Boden mit der noch immer genutzten Olympiaschanze im Mittelpunkt.
Olympische Winterspiele: Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg
Nachdem der Zweite Weltkrieg beendet war, konnten 1948 wieder Olympische Winterspiele ausgetragen werden. Wie bereits 1928 vergab der IOC diese an das kriegsunversehrte St. Moritz. Deutschland durfte noch nicht wieder teilnehmen, was erst 1952 bei den ersten Spielen in Skandinavien am legendären Holmenkollen der Fall war. Skeleton wurde in Oslo wieder aus dem Programm genommen. Für Olympia 1956 ging es zurück in die Alpen. Cortina d’Ampezzo in Italien richtete die Spiele aus, bei denen der Österreicher Toni Sailer überragte.

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Im Jahr 1960 weigerten sich die Organisatoren in Squaw Valley, Kalifornien, eine Eisbahn zu bauen, weshalb die Wettbewerbe im Bob und Rodeln nicht stattfinden konnten. Vier Jahre später in Innsbruck machte die Winterolympiade im Bergisel-Stadion einen großen Sprung. Erstmals traten über 1.000 Athleten in 34 Wettbewerben an. Auch das Rodeln wurde in den Wettkampfkalender aufgenommen. 1968 vergab das IOC die Ausrichtung erneut an die Alpen. Im französischen Grenoble traten die deutschen Staaten unter getrennten Flaggen an. Die Spiele der 1970er-Jahre begannen mit der Premiere in Asien. Im japanischen Sapporo holten die deutschen Athleten 19 Medaillen.
1976 konnten die Olympischen Spiele in der US-Stadt Denver nicht stattfinden, weshalb Innsbruck erneut als Ausrichter fungierte. Zu den Disziplinen wurde erstmals Eistanz hinzugefügt, das die sowjetischen Sportler für sich entscheiden konnten. 1980 kehrte der Winter-Olympia-Zirkus nach Lake Placid zurück. Bei den dritten Spielen in den Vereinigten Staaten wurde erstmals Kunstschnee verwendet. Außerdem gaben chinesische Athleten ihr Debüt. 1984 fanden die ersten Spiele auf dem Balkan statt. In Sarajevo, dem heutigen Bosnien und Herzegowina, stand die DDR mit neun Goldmedaillen erstmals auf Platz eins im Ländervergleich.
Olympische Winterspiele im Wandel zur Perfektion
Die Winterspiele wurden immer moderner und stießen auf ein riesiges mediales Interesse. 1988 richtete Kanada die Spiele erstmals aus und wählte Calgary mit dem Skigebiet Canmore als Austragungsort. Mit 57 teilnehmenden Nationen wurde ein neuer Rekord aufgestellt. 1992 erhielt Frankreich seine dritten Winterspiele. In Albertville feierten die Sportarten Shorttrack und Freestyle-Skiing ihr Debüt. Bereits nach zwei Jahren Pause fanden die nächsten Olympischen Spiele statt, da das IOC den Wechsel zwischen Sommer- und Winterspielen eingeführt hatte. Austragungsort der zweiten Spiele in Skandinavien war Lillehammer.
Bei den Olympischen Winterspielen 1998 in Nagano kam mit dem Curling eine siebte Sportart hinzu. Zum ersten Mal traten über 2.000 Frauen und Männer aus 72 Nationen in sechs Wettkämpfen an. Damit wurden neue Rekorde für die Spiele gebrochen. Im 21. Jahrhundert war Salt Lake City in Utah der erste Austragungsort. 2006 in Turin (Italien) belegte das deutsche Team letztmals den ersten Platz im Medaillenspiegel. Die nächsten Spiele fanden zum zweiten Mal in Kanada statt, und zwar an der Westküste in Vancouver.

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2014 war Russland zum ersten Mal Veranstalter der Olympischen Winterspiele. In Sotschi an der russischen Riviera erhielt das Wettkampfprogramm zwölf neue Wettbewerbe. 2018 und 2022 folgten weitere Spiele auf dem asiatischen Kontinent, bei denen es Premieren gab. Zunächst veranstaltete Südkorea mit Pyeongchang seine ersten Spiele, bei denen Deutschland 14 Mal Gold holte. Es folgten die Spiele in Peking, der ersten Stadt, die sowohl Sommer- als auch Winterspiele ausrichtete. 2026 in Mailand-Cortina in Italien kam mit dem Skibergsteigen eine achte Sportart zum olympischen Programm hinzu. Bereits heute steht fest, dass die Olympischen Spiele 2030 in den französischen Alpen und 2034 im US-Bundestaat Utah ausgetragen werden, wodurch die olympische Geschichte ihren Lauf nimmt.
Olympische Gesichter des Wintersports
Unter den männlichen Legenden Olympischer Winterspiele fällt sofort der Name des wohl besten Biathleten aller Zeiten ins Auge: Ole Einar Björndalen. Der Norweger gewann bei sechs Teilnahmen achtmal Gold und viermal Silber. Nicht minder erfolgreich ist sein Nachfolger Johannes Thingnes Bö mit fünf Goldmedaillen. Ebenfalls unerreicht sind die Leistungen des Langläufers Björn Daehlie, der acht Mal Gold holte. Im Shorttrack setzte Wiktor Ahn den Winterspielen seinen Stempel auf. Im alpinen Ski sind der Italiener Alberto Tomba mit fünf olympischen Medaillen und der Norweger Kjetil André Aamodt mit vier Goldmedaillen unvergessen.
Top 10 Medaillengewinner bei Winterspielen
Bei den nordischen Kombinierern war Jorgen Graabak der Beste und im Skispringen konnte der Finne Matti Nykänen vier Goldmedaillen gewinnen. Shaun White aus den USA holte dreimal in Folge den ersten Platz mit dem Snowboard in der Halfpipe. Der US-Amerikaner Eric Heiden war 1980 gleich fünfmal der Schnellste auf der Eisbahn. Auch die Wettbewerbe der Damen haben trotz ihrer kürzeren Geschichte Legenden hervorgebracht. Allen voran ist die Norwegerin Marit Björgen zu nennen. Sie gewann achtmal Gold in den Langlaufloipen von Vancouver, Sotschi und Pyeongchang.
Im Medaillenspiegel folgt auf Björgen die Eisschnellläuferin Ireen Wüst, die mit sechs Goldmedaillen die erfolgreichste niederländische Olympionikin aller Zeiten ist. Zu den weiteren olympischen Helden zählen die Biathletin Darja Domratschawa aus Belarus, die Kroatin Janica Kostelic im Alpinen Ski sowie die Chinesin Wang Meng im Shorttrack, die jeweils vier Goldmedaillen gewannen. Auch die kanadische Bobpilotin Kaillie Humphries, Ester Ledecka, die sowohl mit dem Snowboard als auch auf Skiern erfolgreich war, sowie Sonja Henie, die in den Vorkriegsjahren im Eiskunstlaufen brillierte, prägten die Olympischen Winterspiele.
Winterspiele: Deutschlands erster Platz im ewigen Medaillenspiegel
Deutsche Frauen und Männer haben bei Olympia ein eigenes Kapitel geschrieben. Sie führen mit 162 Goldmedaillen den ewigen Medaillenspiegel an, wofür zahlreiche nationale Helden sorgten. Zu den Rekordchampions zählen die deutschen Rodler, die seit jeher das Weltgeschehen dominieren. Mit je sechs Mal Gold führen Natalie Geisenberger, Tobias Wendl und Tobias Arlt die Rekordlisten an. Es folgt Claudia Pechstein, eine schillernde Persönlichkeit, die neun Medaillen im Eisschnelllauf holte, darunter fünf goldene. Sie nahm insgesamt achtmal an Olympia teil und war 2022 Fahnenträgerin.
Top 10 Nationen bei Olympischen Winterspielen
Auch Karin Enke und Gunda Niemann-Stirnemann schrieben deutsche Eisschnelllaufgeschichte. Im Biathlon holte Deutschland viele weitere Medaillen, wobei zahlreiche Frauen und Männer beitrugen. Besonders erfolgreich waren dabei Ricco Groß und Sven Fischer bei den Herren sowie Kati Wilhelm und Uschi Disl bei den Damen. Ebenfalls unglaublich erfolgreich sind seit jeher die deutschen Bobsportler. Kevin Kuske, Andre Lange, Francesco Friedrich und Thorsten Margis sicherten sich jeweils viermal den ersten Platz.
Im prestigeträchtigen Skisport gehört Deutschland nicht zu den Topnationen. Dennoch kamen mit Maria Höfl-Riesch und Katja Seizinger zwei Stars der Szene aus dem DSV, die jeweils dreimal olympisches Gold gewannen. Gleiches gilt für den Skispringer Jens Weißflog, den Rodler Georg Hackl und die Nordischen Kombinierer Eric Franzel und Johannes Rydzek. Eine Persönlichkeit, die bereits mit zwei Goldmedaillen zur Ikone aufstieg, war in den 1980er-Jahren aktiv. Die junge Katharina Witt sprang und drehte sich im Eiskunstlauf in die Herzen der Welt.
Geschichtsträchtige Momente bei Olympischen Winterspielen
Bei Olympia entscheiden nicht nur Medaillen über die ganz großen Momente. Manchmal sind es kleine Helden, gefallene Stars oder unbeugsame Außenseiter, die für die Höhepunkte der Spiele sorgen. Einige von ihnen haben sich in die Geschichtsbücher eingetragen.
| Miracle on Ice (1980) | Mitten im Kalten Krieg mussten die College-Amateure der USA 1980 in Lake Placid im Eishockeyfinale gegen die UdSSR antreten. Die vom sowjetischen Staatsapparat unterstützte Startruppe hatte in der Vorrunde alle Gegner dominiert. Im Finale setzten sich die College-Amateure aus den USA wie durch ein Wunder mit 4:3 durch und holten Gold. |
| Eddie the Eagle und Cool Runnings (1988) | Die Olympischen Spiele 1988 in Calgary brachten gleich zwei unglaubliche Geschichten hervor. Eine davon handelt von Michael Edwards. Als erster britischer Skispringer sprang er mit riesigem Mut und nahezu ohne Training von den Olympiaschanzen. Eddie the Eagle wurde zweimal Letzter, aber zum Liebling der Fans. Ähnlich erging es den Bobpiloten Jamaikas. Die Sprinter der Karibikinsel versuchten sich auf der Eisbahn, stürzten im Rennen und trugen ihr Sportgerät unter dem Jubel der Fans ins Ziel. |
| Tonya Harding (1994) | Vor den Olympischen Spielen in Lillehammer beauftragte die Eiskunstläuferin Tonya Harding einen Attentäter, ihre Konkurrentin Nancy Kerrigan anzugreifen. Dieser schlug Kerrigan mit einer Eisenstange auf das Knie. Dennoch holte die US-Amerikanerin Silber bei den Spielen. Harding selbst wurde hingegen nur Achte und anschließend vom IOC lebenslang gesperrt. |
| Verbotener Salto (1998) | Surya Bonaly aus Frankreich hatte bei den Spielen in Nagano aufgrund einer aus ihrer Sicht voreingenommenen Bewertung durch die Jury keine Chance, eine Medaille im Eiskunstlauf zu gewinnen. Also zeigte sie das Unmögliche: Sie landete einen Rückwärtssalto auf einem Bein. Dieser Sprung ist verboten, da er als zu gefährlich gilt. Ein stilles Zeichen des Protests. |
| Johann Mühlegg (2002) | Spanien gilt nicht als erfolgreiches Land bei den Olympischen Winterspielen. Umso bemerkenswerter waren daher die Ergebnisse, die der in Bayern geborene Johann Mühlegg in Salt Lake City erzielte. Unter dem Spitznamen "Juanito" gewann der Langläufer dreimal Gold. Nach den Wettbewerben wurde er jedoch des Dopings überführt. Es war eine der schwärzesten Stunden der Wintersportgeschichte. |