Handball-EM 2026: Deutschland zieht nach 34:32 über Spanien in die Hauptrunde ein

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Der Druck war greifbar, die Ausgangslage heikel. Und doch lieferte die deutsche Nationalmannschaft im entscheidenden Moment ihre bislang reifste Vorstellung ab. Mit einem verdienten 34:32 (17:15) gegen Spanien hat Deutschland bei der Handball-EM 2026 das drohende Vorrunden-Aus abgewendet, den Gruppensieg gesichert und das Ticket für die Hauptrunde der Europameisterschaft gelöst. Eine aggressive Abwehr, mutige taktische Entscheidungen von Bundestrainer Alfred Gislason und ein überragender Renars Uscins prägten den Schlüssel­erfolg in Herning (Dänemark) gegen die bis dato ungeschlagenen Iberer.

Das deutsche Team zeigte von der ersten Minute an eine andere Körpersprache als noch bei der Niederlage gegen Serbien. Die Mannschaft agierte fokussiert, diszipliniert und variabel. Renars Uscins erzielte acht Tore, gewann zwei entscheidende Bälle in der Schlussphase und wurde zum Spieler des Spiels gewählt. “Renars hatte heute unseren Rücken und hat fantastisch gespielt”, sagte Torwart Andreas Wolff nach dem Abpfiff sichtlich erleichtert. Auch Kapitän Johannes Golla betonte die mentale Komponente: “Wir hatten den klaren Glauben an uns, dass wir dieses Spiel gewinnen können.”

Berliner Nils Lichtlein feiert Premiere bei Sieg gegen Spanien

Von Beginn an legte Deutschland den Fokus auf defensive Stabilität. Die Abwehr arbeitete kompakt, verschob konsequent und zwang Spanien immer wieder ins Zeitspiel. Bereits in der fünften Minute brachte Juri Knorr sein Team mit 3:2 in Führung – begünstigt durch einen unglücklichen Moment von Spaniens Keeper Sergey Hernandez. Es war ein frühes Signal, dass an diesem Abend auch das Spielglück auf deutscher Seite lag. Im Angriff agierte Deutschland deutlich strukturierter als in den vorangegangenen Gruppen-Partien der Handball-EM 2026 gegen Serbien und Österreich.

EHF Handball-EM 2026 Vorrunde Gruppe A

SPSUNTOREDIFF.PUNKTE
Deutschland320191:8924
Spanien320191:8624
Österreich310278:85-72
Serbien310282:8202
SP = Spiele / S = Siege / U = Unentschieden / N = Niederlagen / DIFF = Tordifferenz

Nils Lichtlein von den Füchsen Berlin feierte seine Premiere bei der Europameisterschaft und überzeugte mit Spielübersicht, während Lukas Mertens über Linksaußen effektiv blieb. Spaniens Trainer Jordi Ribera reagierte früh mit dem siebten Feldspieler, doch Deutschland hatte Antworten. Golla traf per schneller Mitte zum 8:6 ins leere Tor. Als sich kleinere Unsauberkeiten einschlichen, wuchs Wolff über sich hinaus. Der Torhüter parierte unter anderem gegen Aleix Gomez spektakulär und brachte die Spanier zunehmend ins Grübeln. Mit der Einwechslung von Justus Fischer gewann das deutsche Spiel zusätzlich an Präsenz am Kreis. Der 1,94 Meter große Kreisläufer setzte sich kraftvoll durch und erhöhte mit einem Doppelpack auf 12:9.

“Wir sind jetzt als Gruppensieger weiter nach zwei guten und einem schlechten Spiel. Wir haben im Sport alle schon schwierige Situationen erlebt und Rückschläge – deshalb haben wir den Kopf nicht verloren.”

Kapitän Johannes Golla

Deutschland trifft in Handball-EM-Hauptrunde auf Hochkaräter

Nach der Pause blieb die Partie eng, doch Deutschland behielt die Kontrolle. Knorr und Uscins fanden immer wieder die richtigen Abschlüsse und stellten den Drei-Tore-Vorsprung wieder her. Während Ribera im Tor von Hernandez auf Ignacio Biosca wechselte, reagierte auch Bundestrainer Alfred Gislason und brachte David Späth. Der junge Keeper entschärfte sofort einen freien Wurf und riss mit seiner Emotionalität die Fans in Herning mit. In dieser Phase zeigte sich die Tiefe des deutschen Kaders. Nicht die großen Namen allein sorgten für die Tore, sondern auch Akteure wie Mathis Häseler und erneut Fischer, der insgesamt fünf Treffer erzielte. Spanien fand defensiv wie offensiv kaum Lösungen gegen das deutsche Tempospiel und die variable Abwehrarbeit.

DHB-Kader für die EHF Handball-EM 2026

Tor
David Späth (Rhein-Neckar Löwen)
Andreas Wolff (THW Kiel)
Rückraum links
Marko Grgic (SG Flensburg-Handewitt)
Tom Kiesler (VfL Gummersbach)
Matthes Langhoff (Füchse Berlin)
Miro Schluroff (VfL Gummersbach)
Rückraum Mitte
Juri Knorr (Aalborg Handbold)
Julian Köster (VfL Gummersbach)
Nils Lichtlein (Füchse Berlin)
Rückraum rechts
Franz Semper (SC DHfK Leipzig)
Renars Uscins (TSV Hannover-Burgdorf)
Linksaußen
Rune Dahmke (THW Kiel)
Lukas Mertens (SC Magdeburg)
Rechtsaußen
Mathis Häseler (VfL Gummersbach)
Lukas Zerbe (THW Kiel)
Kreis
Justus Fischer (TSV Hannover-Burgdorf)
Johannes Golla (SG Flensburg-Handewitt)
Jannik Kohlbacher (Rhein-Neckar Löwen)

In der Schlussphase agierte Deutschland in Herning abgeklärt. Ein frecher Kempa-Trick von Mertens auf Uscins zum 29:26 war sinnbildlich für das neu gewonnene Selbstvertrauen. Spanien verlor zunehmend die Ordnung und leistete sich Ballverluste. Der Treffer von Jan Gurri zum 34:32 setzte den Schlusspunkt, der Sieg in der deutschen Gruppe war da bereits besiegelt. Bundestrainer Alfred Gislason zeigte sich nach dem Spiel hochzufrieden: “Ich bin sehr, sehr stolz auf die Jungs – vor allem darauf, wie sie dieses Spiel in Abwehr und Angriff gespielt haben.” In der Hauptrunde der Handball-EM 2026 warten nun Hochkaräter wie Frankreich, Dänemark, Norwegen und Portugal auf Deutschland.

Tore:

Deutschland: Uscins 8, Köster 6, Knorr 5, Fischer 5, Mertens 4, Zerbe 3, Golla 2, Häseler 1

Spanien: Gurri 7, Tarrafeta 4, Fis 4, Gomez 4, Fernandez 3, Daniel Dujshebaev 3, Odriozola 2, Serdio 2, Serradilla 1, Casado 1, Alex Dujshebaev 1

Die Highlights des Spiels im Video

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