Heiner Wilmer ist neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK). Der 64-jährige Bischof von Hildesheim wurde bei der Frühjahrsvollversammlung in Würzburg zum Nachfolger von Georg Bätzing gewählt. Mit der Entscheidung stellen die katholischen Bischöfe die Weichen für die Zukunft der Katholischen Kirche in Deutschland, die vor massiven Herausforderungen steht.
Dazu gehören ein drastischer Mitgliederschwund, Reformdruck, interne Spannungen zwischen Reformern und Konservativen sowie ein sensibles Verhältnis zum Vatikan. Heiner Wilmer gilt als Vermittler mit guten Kontakten nach Rom und als Brückenbauer zwischen unterschiedlichen kirchenpolitischen Lagern. Die Wahl von Heiner Wilmer an die Spitze der Deutschen Bischofskonferenz ist daher mehr als ein personeller Wechsel. Sie ist eine Richtungsentscheidung für die Katholische Kirche in Deutschland – zwischen Reformkurs und weltkirchlicher Einheit.
Inhaltsverzeichnis
Heiner Wilmer muss Vertrauen zu Papst Leo XIV. in Rom aufbauen
Bischof Heiner Wilmer steht seit 2018 an der Spitze des Bistums Hildesheim. Der gebürtige Emsländer trat bereits mit 19 Jahren in den Orden der Herz-Jesu-Priester (Dehonianer) ein. Er studierte Theologie und Geisteswissenschaften in Freiburg, Paris und Rom und promovierte. Seine internationale Erfahrung sammelte er unter anderem als Lehrer in der New Yorker Bronx sowie später als Generaloberer seines Ordens in Rom, wo er enge Kontakte in den Vatikan knüpfte. Diese Rom-Erfahrung könnte für die Deutsche Bischofskonferenz entscheidend sein. Denn die Katholische Kirche in Deutschland ist Teil der Weltkirche, deren grundlegende Leitlinien vom Papst und der Kurie vorgegeben werden. Nach Einschätzung von Experten wird es für Heiner Wilmer darauf ankommen, ein belastbares Vertrauensverhältnis zu Papst Leo XIV. aufzubauen.
Vorsitzende der DBK seit 1965
Inhaltlich wird Heiner Wilmer als fortschrittlich beschrieben. In seinem Bistum gibt es alternative Leitungsmodelle mit Frauen in Führungspositionen. Er sprach sich mehrfach für eine Erneuerung der katholischen Sexualmoral aus und begrüßte die Segnung homosexueller Paare ausdrücklich. Gleichzeitig betont er die Bedeutung der Evangelisierung. Viele Katholiken zweifelten heute an zentralen Glaubensinhalten wie der Auferstehung oder der Gottessohnschaft Jesu. Diese Fragen müssten wieder stärker ins Zentrum rücken. Innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz leitete Wilmer bislang die Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen. Bundesweit profilierte er sich mit klaren Positionen zu Demokratie, Sozialstaat und Klimaschutz. Bei rentenpolitischen Debatten forderte er Generationengerechtigkeit und Kompromissbereitschaft.
Deutsche Bischofskonferenz vor historischen Herausforderungen
Auch die Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs betrachtet Heiner Wilmer als Daueraufgabe der Katholischen Kirche. In Hildesheim veranlasste er mehrere wissenschaftliche Untersuchungen, zuletzt eine Studie für den Zeitraum von 1945 bis 2024, inklusive seiner eigenen Amtszeit. Der bisherige Vorsitzende Georg Bätzing hatte im Januar angekündigt, nicht für eine zweite Amtszeit zu kandidieren. Während seiner sechsjährigen Amtszeit prägte er maßgeblich den Reformprozess Synodaler Weg. Ziel war es, auf die Missbrauchsskandale und die anhaltende Vertrauenskrise der Katholischen Kirche zu reagieren. Bätzing setzte sich unter anderem für die stärkere Beteiligung von Laien, die Öffnung des Diakonats für Frauen und Reformen in Fragen der Sexualmoral ein. Innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz wuchs jedoch der Widerstand konservativer Bischöfe. Prominenter Vertreter dieses Lagers ist der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki.
“Ich freue mich sehr über die Wahl von Heiner Wilmer. Er ist ein Brückenbauer, der die Reformthemen unserer Kirche mit einer tiefen sozialen Sensibilität verbindet.”
Stephan Burger, Erzbischof von Freiburg
Die Katholische Kirche in Deutschland verliert jedes Jahr mehrere Hunderttausend Mitglieder. Die Gesamtzahl fiel zuletzt unter 20 Millionen. Umfragen zeigen zugleich, dass viele Gläubige Reformen wünschen, etwa mehr Beteiligung von Frauen und eine stärkere Anerkennung homosexueller Partnerschaften. Die Bischöfe stehen damit zwischen innerkirchlichem Reformdruck und den Grenzen, die die Weltkirche setzt. Die Aufgabe von Heiner Wilmer an der Spitze der Deutschen Bischofskonferenz wird es sein, diese Spannungen zu moderieren. Neben der Wahl von Heiner Wilmer bestätigten die Bischöfe personelle Kontinuität. Matthias Kopp bleibt Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Beate Gilles wurde für weitere sechs Jahre als Generalsekretärin gewählt. Beide spielen zentrale Rollen in der strategischen Ausrichtung der Katholischen Kirche in Deutschland.